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Tutorial: BitTorrent-Clients verschlüsseln
So können Provider Ihrem P2P nicht den Saft abdrehen

von Moritz Zielenkewitz Uhr veröffentlicht

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Die Tücken von BitTorrent: Trotz erfolgreicher Adressumsetzung NAT, offener Firewall und einer Menge Peers im Netzwerk ist die Geschwindigkeit der Downloads ernüchternd langsam. Ein möglicher Grund: Internet Service Provider drosseln den P2P-Datenverkehr. Netzwelt zeigt, wie Sie den Anbietern in Azureus, BitComet und µTorrent dank Verschlüsselung ein Schnippchen schlagen können.

Die Tücken von BitTorrent: Trotz erfolgreicher Adressumsetzung NAT, offener Firewall und einer Menge Peers im Netzwerk ist die Geschwindigkeit der Downloads ernüchternd langsam. Ein möglicher Grund: Internet Service Provider drosseln den P2P-Datenverkehr. Netzwelt zeigt, wie Sie den Anbietern in Azureus, BitComet und µTorrent dank Verschlüsselung ein Schnippchen schlagen können.

ISP und P2P: Freundschaft ausgeschlossen

Rein objektiv betrachtet sind die Zahlen beeindruckend: Mehr als 30 Prozent des weltweit erzeugten Datenverkehrs resultierte 2007 aus dem BitTorrent-Protokoll, zu bestimmten Uhrzeiten übersteigt es sogar die 50-Prozent-Hürde. Für die Internet Service Provider (ISP) ist das natürlich erschreckend: P2P-Traffic von Computern, die meist im Dauerbetrieb und nächtelang laufen, kostet Geld und bremst die Kapazitäten für Streaming oder normale Downloads.

Diesem Umstand ist zu verdanken, dass weltweit immer mehr ISP dazu übergegangen sind, P2P-Verkehr ihrer Kunden zu drosseln. Dazu wird der Datenstrom mitgelesen und sobald das BitTorrent-Protokoll entdeckt wird, bremst der ISP den Zugang aus. So reduziert sich die Belastung der Provider-Leitungen - und der Filesharer zu Hause ärgert sich über niedrige Download-Werte und eine entsprechend miserable Ratio.

Können verschlüsselt werden: Azureus, BitComet und µTorrent.

Verschlüsseln vs. Drosseln

Aus diesem Grund sind die Entwickler großer BitTorrent-Clients dazu übergegangen, eine Verschlüsselung der übermittelten Datenströme zu ermöglichen. Eine gewöhnliche Plain Encryption verschlüsselt hierbei den so genannten Header, der die Metainformationen eines Datenpaketes beinhaltet. Die Programmroutinen der ISP, welche diesen Header lesen, können ihn oft nicht als BitTorrent-Traffic erkennen und drosseln die Leitungen nicht.

Doch auch die Provider lernen dazu und prüfen in vielen Fällen nicht nur den Header, sondern auch die Payload, also die tatsächlich für den Up- oder Download relevanten Daten. Hier müssen die Torrent-Clients schwerere Geschütze auffahren: RC4 ist die Verschlüsselung erster Wahl, die den gesamten Datenstrom unkenntlich machen kann. Der Algorithmus ist dabei deutlich unsicherer als beispielsweise das aktuell als unknackbar geltende AES, benötigt aber auch mit Abstand weniger Ressourcen.

Diese Faktoren erlauben es also, RC4 permanent für die Verschlüsselung einzusetzen. Der Algorithmus findet auch in SSL-Verbindungen und dem drahtlosen WEP-Standard seine Verwendung. Die drei erfolgreichsten BitTorrent-Clients - Azureus, BitComet und µTorrent - nutzen alle eine Mischung aus Protocol Encryption (PE) und Message Stream Encryption (MSE); dieses MSE/PE-System wird durch RC4 verschlüsselt und noch mit einem weitern Schlüssel belegt, der das Mitlauschen Dritter erschweren soll.

In Deutschland gibt es bislang noch keine Bestätigung, das ISP den BitTorrent-Verkehr ihrer Kunden drosseln. Bevor Sie also vermuten, dass Ihnen trotzdem dieses Schicksal widerfahren ist, sollten Sie einige andere Fehlerquellen ausschließen: Funktioniert die Network Adress Translation (NAT) einwandfrei? Ist bei Ihrem Router das Port Forwarding aktiviert? Wurde Ihre Software-Firewall von den verwendeten Ports des P2P-Clients in Kenntnis gesetzt?

Falls Sie die Fragen bejahen können und trotzdem mit massiven Geschwindigkeitseinbußen zu kämpfen haben, hat netzwelt die mögliche Lösung: Für die drei BitTorrent-Clients Azureus, BitComet und µTorrent erfahren Sie Schritt für Schritt, wie die RC4-Verschlüsselung aktiviert werden kann und worauf Sie im weiteren Verlauf des Datentauschs achten sollten.

Azureus

Zuerst steht der Java-basierte Torrent-Client Azureus auf dem Programm, und zwar in der 2.5er Versionsreihe. Nachdem Sie den NAT-/Firewall-Test erfolgreich durchgeführt haben, gehen Sie zu Tools > Konfiguration. Hier klappen Sie das Menü Verbindung auf und wählen Transportverschlüsselung. Hier müssen Sie den Haken bei Benötige verschlüsselten Transport setzen. Nun haben Sie die Wahl, ob Sie die Verschlüsselung auf Plain oder RC4 einstellen möchten; der RC4-Algorithmus ist dringend empfohlen.

Verschlüsselung per RC4: Azureus.(Klick vergrößert)

Mit diesen Einstellungen bekommt Ihr ISP große Probleme, die Datenpakete noch als BitTorrent-Verkehr identifizieren zu können. Ein weiteres Problemfeld ergibt sich aber bei den Peers, mit denen Sie in Kontakt und im Datenaustausch stehen: Diese können möglicherweise mit Ihren verschlüsselten Datenströmen nichts anfangen und senden ihrerseits komplett unverschlüsselt. Daher sollten Sie den Haken bei Erlaube eingehende unverschlüsselte Verbindungen setzen. Wenn Ihnen Effektivität vor Sicherheit geht, sollten Sie aktivieren, dass bei einem Fehlschlag der verschlüsselten Verbindung unverschlüsselt gesendet werden darf.

BitComet

Auch unter BitComet kann verschlüsselt werden, um der Drosslung durch den Provider zuvor zu kommen. Klicken Sie dazu auf Optionen > Einstellungen > Verbindung; hier wählen Sie unter Erweitert den Punkt Verbindung aus und setzen bei Protocol Header Encrypt (Anti BT Protokoll Filter) den Wert auf Immer und bestätigen die Änderung. Wie der Name bereits verrät, lässt sich bei BitComet lediglich der Header verschlüsseln.

BitComet erlaubt nur die Verschlüsselung des Headers.(Klick vergrößert)

µTorrent

Der dritte BitTorrent-Client, bei dem die Verschlüsselung des Datenstroms aktiviert werden kann, ist µTorrent. Hier wählen Sie unter Options > Preferences den Menüpunkt BitTorrent aus: im Feld Protocol Encryption wählen Sie aus der Liste Enabled aus, um immer über verschlüsselte Wege zu kommunizieren. In Notfällen können Sie auch auf Forced umschalten; der Nachteil ist allerdings, dass Sie sich mit deutlich weniger Peers verbinden können und diese ihrerseits auch seltener Kontakt zu Ihnen aufnehmen - der Geschwindigkeitszuwachs durch Überlisten des ISP wäre damit zunichte gemacht.

Den Haken bei Allow incoming Legacy Connections sollten Sie nach Möglichkeit nicht entfernen; denn er bestimmt, dass auch unverschlüsselte Verbindungen zu Ihnen Kontakt aufnehmen können. Wie bei den beiden vorangegangenen Clients würde auch bei µTorrent die Geschwindigkeit mangels Peers merklich leiden. Hinweis: Egal, welche Einstellung Sie wählen - verschlüsselte Verbindungen haben immer Zugang.

Ganzheitliche Verschlüsseung bei µTorrent.(Klick vergrößert)

Verschlüsselung ungleich Anonymität

Mit den hier vorgestellten Möglichkeiten können Sie Azureus, BitComet und µTorrent vor den Augen allzu sperrwilliger Internet Service Provider schützen. Eins sollte aber nicht missverstanden werden: Die verschlüsselten Datenströme helfen nicht dabei, Ihre Identität zu verschleiern - die hier vorgestellten Tipps dürfen also keinesfalls mit Tricks zu anonymem Filesharing verwechselt werden. Gängige Tracking-Verfahren können nach wie vor Ihre IP-Adresse und damit Ihren Standort in Erfahrung bringen. Dieses Tutorial hilft Ihnen lediglich dabei, Providern das Analysieren Ihres BitTorrent-Traffics zu erschweren.

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http://www.netzwelt.de/news/76946-tutorial-bittorrent-clients-verschluesseln.html
2008-01-19 13:43:00
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/torrentclients-1200672617.jpg
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