England: Implantate mit RFID-Chips statt Gefängnis
Kritiker: "Menschen werden wie Tiere gekennzeichnet"
Die Chips sollen in den Arm injziert werden - mit einer gehärteten Glaskapsel umgeben, die neben dem Computerchip eine Kupferantenne und einen kleinen Speicher enthält. Der überträgt die Daten, sobald ein elektromagnetisches Lesegerät über die Hautstelle gehalten wird. Die RFID-Chips sind etwa so lang wie zwei Reiskörner und können Informationen über die jeweilige Person, zum Beispiel Adresse oder Strafregister enthalten.
Derartige Chips werden schon in vielen Ländern eingesetzt, allerdings meist um Haustiere zu kennzeichen oder auf dem Flughafen Gepäck orten zu können. Der amerikanische Marktführer "VeriChip" hat nach eigenen Angaben weltweit 7.000 RFID-Chips verkauft, von denen etwa 2.000 bei Menschen implantiert wurden. Wie die Firma gegenüber "The Independent" erläutert, werden sie im Gesundheitswesen, für die Regierung, aber auch für VIP-Mitgliedschaften in Nachtclubs verwendet, um eine automatische Zutrittskontrolle zu gewährleisten.
In Großbritannien gibt es schon seit mehreren Jahre Überlegungen, vor allem Pädophile und Sexual-Straftäter per GPS zu beobachten und von verbotenen Zonen, wie etwa Grundschulen, fernzuhalten. Die Details der Pläne rufen verärgerte Reaktionen von Bewährungshelfern und Menschenrechtsorganisationen hervor. Diese Gruppen sprechen von einer "Herabwürdigung ihrer Klienten".
Harry Fletcher von der Vereinigung der Bewährungshelfer äußerte sich gegenüber "The Independent": "Diese blödsinnige Idee kommt von Zeit zu Zeit auf, aber Menschen auf die gleiche Weise wie unsere Tiere zu kennzeichnen, kann nicht der nächste Schritt sein. Menschen wie Fleisch zu behandeln ist für mich keine Verbesserung unseres Justiz-Systems." Zudem bezweifeln die Kritiker die Zuverlässigkeit der Chips. Sie seien zu leicht zu duplizieren und würden damit ein Sicherheitsrisiko darstellen. Schon im Vorbeigehen könnten Unbefugte die Daten auslesen und damit Schaden anrichten.
Bisher gibt es keine konkreten Ankündigungen des Ministeriums, ob und wann die Pläne in die Tat umgesetzt werden. Doch eins steht fest: Großbritannien ist mit den großräumig aufnehmenden Kameras schon jetzt ein Land der Überwachung und würde mit der Einführung von RFID-Chips bei Straftätern oder Verdächtigen einen großen Schritt weiter in diese Richtung gehen.

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