Nach Murdoch-Einstieg steht eine Neuordung ins Haus
Verkehrte Netzwelt: Premiere war gestern
Stefan Hagedorn
Eine mediale Sensation beendet die Lethargie nach dem Jahreswechsel mit einem Donnerschlag. Der Australier Rupert Murdoch, seines Zeichens Strippenzieher im digitalen Pay-TV, löst Unitymedia als Gesellschafter bei Premiere ab und sichert sich damit ein Mitspracherecht auf dem begehrten deutschen Fernsehmarkt. Die Premiere-Aktie startete kurzerhand zu einem Höhenflug: Was darf man vom Bezahlfernsehen noch erwarten?
Aufbruch in München
In der Münchner Premiere-Zentrale herrscht Aufbruchstimmung. Erst im letzten Herbst warf der smarte Südtiroler Georg Kofler völlig überraschend die Führung des Bezahlfernsehsenders, dessen bisheriger Finanzvorstand Michael Börnicke trat in die großen Fußstapfen von Kofler. Gleichzeitig ging Premiere mit einem eigenen Programmpaket für Satellitenzuschauer auf Sendung. Es war die Geburtsstunde von Premiere Star. Im Vorfeld musste Premiere allerdings eine empfindliche Niederlage vor Gericht einstecken. Pikanterweise hieß die gegnerische Partie ausgerechnet British Sky Broadcasting (BSkyB). BSkyB hatte erfolgreich gegen die Verwendung des Namens Premiere Sky geklagt, genau genommen gegen das Wort "Sky".
Den himmlischen Begriff hatte sich Rupert Murdoch nahezu europaweit schützen lassen, um damit eine Verwechslungsgefahr zu den Pay-TV Angeboten in Großbritannien, Irland und Italien zu verhindern. Eine Spur Größenwahnsinn lässt sich wohl nicht verleugnen, wenn man sich vorstellt, dass sich ein Unternehmen den "Himmel" schützen lässt. Premiere gab seinerzeit nach und ging mit dem Ersatznamen Premiere Star an den Start. Dieser gilt bis heute, eine Änderung scheint nicht nur aus Marketinggründen nahezu tödlich.
Streit um einen Stern
Ursprünglich, so verriet seinerzeit ein Sprecher von Premiere, sollte der geplante Name Sky vor Gericht erstritten werden. Sogar eine spätere Umbenennung galt im Spätsommer als eine Möglichkeit in der Premiere-Chefetage. Diesen versuchten Seitenhieb auf Murdoch ersparte sich Premiere aber letzten Endes und gab sich mit der Ersatzlösung zufrieden. Ein Stern ist nicht nur am digitalen Fernsehhimmel eine nette Marketing-Idee, wie uns DJ Ötzi im letzten Jahr mit seinem Gassenhauer lehrte.
Aber es war auch eine richtungsweisende Entscheidung für den Pay-TV Sender, wie sich bereits Anfang Januar 2008 zeigen sollte. Murdoch übernimmt 14,58 Prozent der Anteile an Premiere und zahlt dafür mehr als 270 Millionen Euro, um einen Fuß in die deutsche Fernseh-Tür zu setzen. Möglich wurde die Transaktion durch den kontrollierten Ausstieg der Unitymedia-Tochter arena. Die Kartellbehörden hatten den Ausstieg von arena angeordnet und daran die Sublizenzierung der Bundesliga-Rechte an Premiere gekoppelt. Mit diesem Einverständnis wurde der Weg frei für eine Rückkehr der Bundesliga zur selbsternannten "Mutter aller Fußballer", Premiere.
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