CES: Der Gates, der Bill, der Abschied
CES: Der Gates, der Bill, der Abschied
Denn ob beim Fitness-Training mit Schauspieler Matthew McConaughey, als von Jay-Z produzierter Rapper, im Streit mit Bono um den Posten des U2-Gitarristen, als Wolverine beim Vorsprechen bei Steven Spielberg oder als Running Mate bei der Kandidatur von Hillary Clinton und Barack Obama - so unterhaltsam diese Impressionen waren, so wenig passen sie auf Bill Gates.
Die Gegenwart
Nach der Begrüßung durch Gary Shapiro, Präsident der Consumer Electronics Association CEA, und dem humorvollen Ausblick in seine Zukunft sprach Gates Klartext. Seine erste Keynote 1994 sei der Beginn der ersten "Digital Decade" gewesen, in der sich einzelne Bereiche entwickeln und erfolgreich werden konnten - von Betriebssystemen über Mobiltelefone und Online-Services.
Aktuell, so Gates, sei das zweite digitale Jahrzehnt in vollem Gange, in der die einzelnen Elemente der vergangenen Jahre miteinander vernetzt würden und so einen Mehrwert kreierten. Laut Gates fußt diese Entwicklung derzeit auf drei Säulen: Zum einen HD Experience, der Trend zu hochauflösendem Bild und Ton. Und zwar egal ob am TV, mit Projektionsmethoden oder auf portablen Geräten.

Geräte können per Sprachsteuerung im Auto bedient werden.
Ein zweiter Bereich seien die Connected Services: Miteinander vernetzte Geräte und Applikationen bekommen einen immer höheren Stellenwert, wenn nicht mehr ein Element für sich alleine arbeitet. Das dritte und letzte Element sieht Gates im Natural User Interface. Statt sich mit Maus und Tastatur auf ausgetretenen Bedienungs-Pfaden zu bewegen, seien Berührung, Sprache und Gestik die Steuerung der Zukunft.
Vista, Mobile und Surface
Dass sich Microsoft an diesen Trends natürlich maßgeblich beteiligen will, machte Gates im weiteren Verlauf deutlich. Die Windows-Dienste, seit jeher ein Kerngebiet des Redmonder Konzerns, wurden zufrieden bilanziert: 100 Millionen Menschen weltweit nutzen bislang Windows Vista, stolze 420 Millionen tummeln sich im firmeneigenen Live-Netzwerk. Und auch über zehn Millionen verkaufte Windows-Mobile-Betriebssysteme zeigte man sich zufrieden.
Gates demonstrierte im Laufe der Keynote das Multitouch-Projekt Surface, bei dem eine tischähnliche Oberfläche als Bedienfeld genutzt werden kann. Laut Gates habe Surface Potenzial, da es intuitiv sei und externe Geräte oder andere Windows-Applikationen problemlos integriert werden könnten.

Gebeugter Mann: Gates demonstriert Surface.
Auch die Schnittstelle Silverlight, als Konkurrent zum Adobe Flash Player auf dem Markt platziert, bekam ein Update verpasst. Von den Möglichkeiten hochauflösender Video- und Animationsinhalte sollen sich die Nutzer in diesem Jahr bei den Olympsichen Spielen in Peking überzeugen können: In Zusammenarbeit mit NBC werden sämtliche Übertragungen live und on-demand mit Silverlight im Internet angezeigt.
Xbox 360 und Zune
Zahlen und Fakten gab es zudem von Robbie Bach, seines Zeichens Präsident im Bereich Entertainment und Devices bei Microsoft. 17,7 Millionen verkaufte Xbox 360 mit zehn Millionen Mitgliedern bei Xbox Live bestätigten seiner Ansicht nach den Erfolg der Konsole gegenüber den Konkurrenten Wii und Playstation. Zudem bekommt die Xbox 360 in Zukunft Inhalte von ABC, Disney und MGM Studios zugespielt, was das Angebot im Vergleich zu den Mitbewerbern zum quantitativ besten machen soll.
Microsoft hält weiter am Zune fest. Nach erfolgreichen Marktplatzierungen auch außerhalb der USA plant der Konzern, mit dem iPod-Gegenstück weiter zu expandieren. Helfen soll dabei das Online-Angebot Zune social, bei dem kommerzielle Elemente von iTunes mit den sozialen Netzwerken à la MySpace miteinander verknüpft werden. Wenig überraschend: Beim Zune wurden keine Zahlen und Bilanzen auf den Tisch gelegt.
Thema der Keynote war auch ein Produkt, das bisher im Portfolio von Microsoft weniger Beachtung gefunden hat: Sync. Diese Applikation bietet laut Microsoft enorme Möglichkeiten im Bereich des Car Infotainment. So können Geräte wie der Zune oder Windows-Mobile-Telefone per Sprachsteuerung im Auto bedient werden. In einer ersten Kooperation mit Ford war die Funktionstüchtigkeit dieser Symbiose bereits nachvollziehbar.
Die Zukunft
Als kurzen Vorgeschmack präsentierte Bill Gates noch ein Gerät - "frisch aus dem Labor", wie er betonte. Diese Technologie, die später in Mobiltelefonen jeglicher Art eingebaut werden soll, kann Personen und Orte über eine Kamera erkennen. Passend dazu gibt das Gerät dann Informationen, Termine, Beschreibungen oder 3D-Visualisierungen aus.

Blick auf kommende Projekte: Gates und ein Gerät zur Personenerkennung.
Der Abgang
Da der Abend weit fortgeschritten und immer noch kein prominenter Keynote-Gast zugegen war, konnte davon ausgegangen werden, dass Gates das Podium mit einem Kracher verlassen würde. Er und Robbie Bach traten zum Guitar Hero-Duell an - jeder holte sich allerdings Verstärkung mit ins Team. Wo Bach mit Guitar-Hero-Ikone Kelly Law-Yone aufwartete, die ein fehlerfreies "Welcome to the Jungle" vorführte, holte Gates das Original auf die Bühne: Slash von den Guns 'n' Roses intonierte das Lied gewohnt lässig-rockig und ebnete Bill Gates so den Abschied von 14 Jahren CES.
Eindrücke vom gitarrenlastigen Finale mit Gates und Slash erhalten Sie in der Mediengalerie:
{inline element="35" param="keynote-bill-gates,0,1,2,3" class="gallerystripe" title=}

Sagen Sie Ihre Meinung!