Mehr Kontrolle, weniger Freiheit
2008: Das Jahr der Online-Überwachung
Patrick Woods
Vorratsdatenspeicherung, Online-Durchsuchung, schärferes Urheberrecht und stärkere Überwachung durch die Musikindustrie: 2008 droht ein strenges Jahr für das Netz zu werden. Terrorangst und wirtschaftliche Interessen schränken das Web immer weiter ein. Das Internet verliert sein Freiheit.
Inhalt
- Vergnügungsmeile Internet
- Chaotisch, aber frei: Das Web 1.0
- Das Internet im Wandel
- Musikindustrie auf Lobbytournee bei der EU
- Strengeres Urheberrecht 2008
- Mehr Abmahnungen
- Die Vorratsdatenspeicherung kommt
- Online-Durchsuchung auf dem Prüfstand
- Anarchie adé
Die wilden Jugendjahre des Webs sind endgültig vorbei. Vorüber sind die verantwortunglosen Zeiten der Unbekümmertheit, als alles im Netz kostenlos, anonym und anarchistisch war. Jeder bediente sich, wo er wollte. Die Surfer von heute müssen verantwortungsvoller sein, als dies bisher der Fall war.
Vergnügungsmeile Internet
Mitte bis Ende der Neunzigerjahre war das Web wie eine dreckige, laute Vergnügungsmeile einer Wildweststadt. Es war hässlich, laut, verucht, überall blinkte es etwas geschmacklos und der Sheriff hatte die Stadt schon längst verlassen. Nur wenige trauten sich in diese neuartige Amusement-Hölle. Die meisten hatten entweder noch nie davon gehört oder wollten lieber nichts davon wissen.
Bilder und Musik waren vogelfrei und wurden freigiebig untereinander getauscht. Private Internetseiten bestanden meist aus zusammen-"geliehenen" Grafiken und Fotos sowie ein paar Texten. Von Internetabmahnungen oder gespeicherten IP-Adressen hatte noch niemand auch nur eine Ahnung. Kein Wunder, für die Behörden der Strafverfolgung und die Gesetzgebung war das Netz ein Buch mit sieben Siegeln.
Chaotisch, aber frei: Das Web 1.0
Das Web anno 1999 und weit früher war aus heutiger Sicht kaum zu etwas zu gebrauchen. Soziale Communities und andere Nettigkeiten des digitalen Beisammenseins gab es es nur rudimentär. Auch die Informationsangebote beschränkten sich meist auf zerklüftete Privathomepages zweifelhafter Glaubwürdigkeit. Große, seriöse Portale waren in der Minderheit und meist noch im Aufbau. Videostreaming oder legale Kaufangebote? Die gab es höchstens aus der Erotikbranche.

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Nicht schön, aber grell: Die Web-Ästhetik der Neunziger
(Klick vergrößert.)
Kein Wunder, dass vermeintlich freier Zugriff auf Musik und Erotik mitunter die größten Zugpferde hinein ins Netz waren. Alles da, alles kostenlos und niemanden hat es interessiert. Das war einmal. Heute macht die Musikindustrie Jagd auf Gratishörer und selbst die Pornobranche erwacht aus ihrem Dornröschenschlaf und kassiert bei Downloadern ab.
Das Internet im Wandel
Das Internet 2007 hat ein gänzlich anderes Gesicht als das Web 1.0 zehn Jahre zuvor. Die Politik will das Netz als Gefahr erkannt haben. Terroristen, Betrüger und Saboteure treiben sich nach den Ansichten der Regierenden besonders gerne im Netz herum. Musik- und Filmindustrie ächzen unter nachlassendem Umsatz und machen das Internet verantwortlich. Wieder einmal soll es die Politik richten. Das Internet der nahen Zukunft könnte sich erneut wandeln.
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