Streik-TV oder Formatloses Fernsehen
Verkehrte Netzwelt: Ich glotz TV
Stefan Hagedorn
Der ver.di-Streik als Gruppenerlebnis, zwischendurch werden schnell ein paar Computer-News oder Dokumentationen eingeschoben. Oder gar einen Softporno von Beate Uhse? Ich-TV, das jüngste Internet-TV-Projekt für Existenzgründer, liegt mit Sicherheit schon in den Schubladen der Regierenden. Wer was auf sich hält, präsentiert sein eigenes Format-Fernsehen. Nur die Frage lautet: Wer schaut eigentlich hin?
Stell dir vor, es ist Streik und keiner guckt hin. Bei diesem Gedanken bricht bei den tapferen Arbeitskämpfern derzeit noch die reinste Panik aus. Das wird aber künftig nicht mehr passieren, denn hier ist Abhilfe in Sicht. Professionell soll es sein, das neueste Internet-TV-Projekt der Gewerkschaft ver.di. Der Name ist Programm: Streik-TV. Die Hemmschwelle für ein eigenes Fernseh- oder Internetformat ist schon seit geraumer Zeit im freien Fall. Geschmacklosigkeiten inklusive.
Nachrichtenmagazine machen Fernsehenn
Stern TV gibt es schon lange bei RTL, Focus TV flimmert bei ProSieben und auch der Spiegel spricht schon lange nicht mehr nur die Magazinleser an, sondern hat mit einem Magazin bei RTL und zahllosen Dokumentationen das Fernsehen sich für entdeckt. Die Mediengesetze sehen vor, dass ab einem bestimmten Marktanteil die großen Privatsender Sendezeit an Drittanbieter abgeben müssen und das machen sich nun etliche Großmuftis der Printmedien zu Nutze. Nur folgerichtig, dass die drei großen deutschen Nachrichtenmagazine auch Fernsehen machen.
So einfach kommt der Leser also nicht davon, denn kaum legt er nämlich die Zeitschrift aus der Hand und greift zur Fernbedienung seines Heimkinos, da flimmert ihn schon der neueste Beitrag aus der großen, weiten Medienlandschaft bunt und akustisch aufgemotzt aus dem Zeitschriftenverlag auf den Bildschirm.
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