Unbestellt geliefert - Die dicke Rechnung kommt bestimmt
Verkehrte Netzwelt: Wohltätige Abzocker
Stefan Hagedorn
Die Gewinnmargen sind klein, die Kosten hoch. Wird nicht mehr genug verdient in der Telekommunikationsbranche? Der Eindruck könnte entstehen, wenn man die neuesten Einfälle zahlreicher Serviceanbieter betrachtet. Aber nicht nur die Mobilfunker, auch Kabel Deutschland springt auf den Zug der ungefragten Wohltäter für seine Kunden auf. Was bleibt neben Verträgen, Rechnungen und frustrierten Kunden? Haben Sie das wirklich nötig, liebe Anbieter?
Und ob sie es nötig haben! Immer wieder flattern Meldungen auf die Schreibtische, dass ahnungslose Kunden von ihren treusorgenden Vertragspartnern mit zweifelhaften Geschenken bedacht wurden. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit. Auf den ersten Blick erscheint es oft verlockend. So werden beispielsweise der kostenlose Versand von SMS-Nachrichten oder die Nutzung von bestimmten Tarifoptionen ohne Tariffierung versprochen.
Teure Präsente
Oft steht nur im Kleingedruckten, dass der Kunde für diese Präsente nach einer gewissen Zeit zur Kasse gebeten wird. So können nach dem Ende einer Schnupperphase erhebliche Kosten in Rechnung gestellt oder bei Überschreiten einer bestimmten Datenmenge schon mit sofortiger Wirkung Gebühren verlangt werden. Nicht nur die Weihnachtszeit ist ein willkommener Anlass, sich bei den treuen Zahlern mit einem symbolischen Fußtritt zu bedanken. Das Fatale: Normalerweise wählt der Kunde seinen Tarif und die dazugehörigen Optionen nach seinen Vorstellungen aus. Getreu dem Motto "Reiche man einen Finger, nimmt man gleich die ganze Hand", wählt jetzt nicht mehr Otto Normalverbraucher, sondern der Provider aus, was gut für seinen Kunden ist. Und wie teuer es sein darf selbstverständlich gleich mit.
Jüngstes Negativbeispiel ist in dieser Woche Mobilfunkserviceprovider Debitel. Beim Weihnachtsangebot 2007 werden die Kunden wenigstens vorher gefragt, ob sie diese auch in Anspruch nehmen wollen. Wer sich dafür entscheidet, sollte auf keinen Fall den rechtzeitigen Kündigungstermin aus dem Auge verlieren. Ansonsten hat man einen Langzeitvertrag am Bein. Zuerst einmal kann der mobile Datentarif drei Monate lang zu den vorgegebenen Konditionen ohne Grundgebühr in Anspruch nehmen. Wird das Inklusivvolumen allerdings überschritten, wird König Kunde schon mit sofortiger Wirkung für die zusätzliche Datenmenge zur Kasse gebeten. Diese variiert zwischen fünf und 30 Megabyte und hängt vom jeweiligen Mobilfunknetz ab.
Good bye, Kunde
Debitel hatte in der Vergangenheit schon häufig für Negativschlagzeilen gesorgt: Im Sommer 2005 wurden die Kunden per Postkarte über eine Tarifumstellung informiert. Diese bescherte nicht nur eine um 50 Prozent höhere Grundgebühr, auch die Minutenpreise wurden deutlich angehoben. Wollte der Kunde wider erwarten von den vielen "Vorteilen" keinen Gebrauch machen, sollte er sich innerhalb von vier Wochen telefonisch bei der Kundenbetreuung melden. Von der glorreichen Idee eines zusätzlichen und natürlich kostenpflichtigen Service-Paketes, das den Kunden ebenfalls ungefragt aufgebucht wurde, hatte sich Debitel auf Druck der Verbraucherschützer kurz zuvor verabschiedet.
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