Moderne Aktivposten: Subkulturen im Netz
Malen mit Licht
"Light Writing" oder auch "Light Graffiti" ist mit dem Treiben des Graffiti Research Labs eng verwandt und hat seine Wurzeln ebenfalls in der Sprayer-Szene. Hier stehen leuchtende Figuren in der Luft, sind scheinbar aus dem Nichts entstanden. Der Hintergrund klingt einfach, die Umsetzung erfordert hingegen viel Übung: Eine Kamera auf einem Stativ führt eine Langzeitbelichtung durch, während der Künstler das Objekt mit einer Taschenlampe in die Luft malt.
Die niederländische Künstlergruppe "PIPS:lab" ist ein Verbund von unterschiedlichen Künstlern, die mit Computern, Musik, Lichtshow und Theatereinlagen eine digitale Show entworfen haben und damit auf Tournee gehen. Mit dem "Lumasolator" entwickelten sie ein System aus Videokamera und Computer, mit dem sie Light-Writing-Effekte in Echtzeit auf einem Bildschirm anzeigen lassen können.

"Analoge Digitalkunst"
Auch in Deutschland gibt es eine Szene der Light Writer: Der Berliner mit dem Künstlernamen "Tofa" zieht nachts mit Kamera und Lampe durch die Dunkelheit und hält die illuminierten Bewegungen fest: "Das Faszinierende daran ist für mich, dass diese Art von virtuellem Graffiti überall und völlig legal den urbanen Raum erobern kann und doch nur für Sekunden in Aktion zu sehen ist", sagt er gegenüber netzwelt.
Tofa sieht das Netz nur als einen Teilaspekt seiner Arbeit: "Mein Ziel ist es, neue Wege zwischen Architektur, Typografie und analog-digitaler Medienkunst zu erforschen". Dabei gehe es ihm weniger um das Internet und mehr "um die Herausforderung, meine 'Kopfgebilde' im dreidimensionalen Raum verwirklichen zu können und immer wieder neue Wege zu finden, das Medium Licht anders zu nutzen als bisher, ohne Computerhilfe - eben 'analoge Digitalkunst'."

Spontane Massenaufläufe
Die Dynamik des Internets fördert die Kommunikation und die persönliche soziale Reichweite jedes Nutzers. So ist es nicht verwunderlich, dass sich eine Kultur der gezielten sozialen Events entwickelt hat: Flashmobs. Das sind spontane Versammlungen, die über das Internet abgesprochen wurden und sich so schnell wieder auflösen, wie sie entstanden sind. Im Sommer 2003 war das erste Mal von ihnen zu hören. In New York versammelten sich damals die ersten Flashmobber.
Flashmobs können öffentliche Kunstaktionen sein, Demonstrationen oder scheinbar sinnlose Massenveranstaltungen wie Kissenschlachten in der Fußgängerzone. Besonders beliebt sind auch organisierte Massenbestellungen in Schnellrestaurants, wo Hunderte Kunden gleichzeitig mehrere tausend Burger bestellen.
Das Internet ist die Bühne
Eins ist allen diesen Aktionen und Stilrichtungen gemeinsam: Sie finden außerhalb des Internets statt, die Inspiration und Organisation findet in vielen Fällen aber im Web statt. Über Fotos und Videoaufzeichnungen werden die Aktionen nachträglich im Web verewigt und erreichen dort wesentlich mehr Zuschauer bei der Aktion selbst. Das Internet ist die eigentliche Bühne dieser Aktionen. Die Videos landen bei YouTube, Fotos bei flickr.
