DVB-T: Das große Warten hat ein Ende
netzwelt: Was möchten Sie, Herr Dr. Bauer, den netzwelt-Lesern in Sachen DVB-T mit auf den Weg geben?
netzwelt: Bei den Nachbarn in Frankreich spielt DVB-T eine immer größere Rolle. Hat es Gespräche mit den Nachbarländern gegeben, um einen störungsfreien Empfang aller Programmangebote zu gewährleisten? Immerhin kommen die Saarländer auch in den Genuss, TV-Programme auf Französisch über die Hausantenne zu empfangen.
Bauer: Solche Gespräche gab es - nicht zuletzt auch durch die hierfür zuständige Bundesnetzagentur. Ein störungsfreier Empfang des bisherigen analogen terrestrischen Fernsehempfangs im Saarland bis zum 13. Dezember kann allerdings auch im Ergebnis dieser Gespräche nicht garantiert werden.
netzwelt: In Berlin wird es seit Jahren praktiziert, in anderen Bundesländern ist es aus dem Planungsstand nicht herausgekommen. Die Rede ist von Hörfunksendern über DVB-T. Können Sie sich ein solches Modell für das Saarland vorstellen?
Bauer: Ich halte - auch als Hörfunkbeauftragter der DLM - DVB-T als System für die digitale Hörfunkversorgung nur für die zweitbeste Lösung nach den Systemen der DAB-Systemfamilie.
netzwelt: In den letzten Monaten wird viel über DVB-T2 diskutiert. Eine neue Technik, die durch eine höhere Datenkompression mehr Platz bietet und die Kosten für die Programmveranstalter drückt, aber völlig neue Set-Top-Boxen erfordert. Wie stehen Sie zu diesen Gedankenspielen?
Bauer: Technische Neuerungen, die Zuschauern wie Veranstaltern nutzen, lassen sich erfahrungsgemäß auf Dauer nicht aufhalten. Ich halte aber wenig davon, über neue Systeme zu philosophieren, solange die derzeitigen Systeme gerade mit beachtlichem Erfolg eingeführt werden. Es gab schon in der Vergangenheit viel zu viel Verunsicherung im Markt der Digitalisierung der Rundfunkversorgung durch ständig neue Spekulationen über Systeme, die bei genauerer Betrachtung noch gar nicht marktreif waren.
netzwelt: Erlauben Sie nochmals einen Blick über die Grenzen des Saarlandes: Welche Erwartungen und Hoffnungen setzen Sie in das "Überallfernsehen" in den kommenden Jahren? Ist es für Sie realistisch, dass private Anbieter demnächst auch über die Hausantenne nur noch gegen Gebühr zu sehen sein werden?
Bauer: Klare Antwort: Nein. Ein solches ausschließliches Pay-Modell ist meines Erachtens in der deutschen Fernsehlandschaft mit ihren programmlichen und politischen Rahmenbedingungen nicht durchsetzbar.
Bauer: Sie haben mehr verdient - mehr DVB-T, mehr Programme, mehr Wettbewerb in den Übertragungssystemen.
netzwelt: Vielen Dank für das Gespräch.
NRW wird auch in der Luft digital
Am heutigen Montag, 12. November, wurde DVB-T im Sauerland und Siegerland eingeführt. Insgesamt dreizehn öffentlich-rechtliche Programme werden auf den Kanälen 27, 30 und 60 übertragen. Im Detail handelt es sich um WDR Fernsehen, MDR Fernsehen, NDR Fernsehen, SWR Fernsehen, ZDF, 3sat, KiKa/ZDFdokukanal, ZDFinfokanal, Das Erste, Phoenix, arte und Eins Festival. Die Privatsender werden sich auch in Südwesfalen aus Kostengründen nicht beteiligen.
Eine identische Programmbelegung ist für den Großraum Aachen vorgesehen. Zum Einsatz kommen die Kanäle 26, 37 und 50. Aus technischen Gründen ist ein Simulcastbetrieb, das heißt die gleichzeitige Ausstrahlung von analogen und digitalen Programmen, nicht möglich. Bis 2009 sollen 95 Prozent der Bevölkerung in NRW an das umgerüstete TV-Netz angeschlossen sein. In einigen Regionen des bevölkerungungsreichsten Bundeslandes, zum Beispiel in der Eifel und im Sieger- und Sauerland, wird es nach Informationen des WDR dauerhaft keine DVB-T Abdeckung geben. Den betroffenen Haushalten bleibt nur der Umstieg auf Kabelempfang oder Satelliten-Fernsehen.

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