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16.10.2007
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Das Web als Vertriebsalternative für bekannte Bands

Wie die Stars der Musikindustrie die kalte Schulter zeigen

Music Markt

Während die Plattenfirmen früher für Werbung, Vertrieb und Vorfinanzierung unverzichtbar waren, kann der Verkauf heute ausschließlich im Internet stattfinden. Die Stars fragen sich zunehmend, warum sie sich künstlerisch von einer Plattenfirma reinreden lassen müssen, die Vermarktungsrechte an ihrer Musik und einen großen Teil der Einnahmen abgeben sollen, wenn sie den Vertrieb über das Netz auch selbst organisieren können.

Musikstars mit Bindungsängsten

Vor wenigen Jahren waren Bands ohne Plattenvertrag gescheiterte Musiker ohne Perspektive. Heute hat sich das Bild gewandelt. Aus der Not ist sprichwörtlich eine Tugend geworden. Radiohead haben seit 2003 keinen Plattenvertrag mehr. Nine-Inch-Nails-Mastermind Trent Reznor hat erst kürzlich seine neue Unabhängigkeit gefeiert: "Ich habe lange auf diese Ankündigung gewartet. 18 Jahre lang war ich Plattenverträgen unterworfen und habe währenddessen beobachten können, wie sich der Markt von Grund auf radikal veränderte."

Trent Reznor

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"Endlich frei": Trent Reznor

Schon in den Neunzigern inszenierte sich der Künstler, der früher einmal Prince hieß und mittlerweile wieder so heißt, als Opfer der Label-Fesseln. Dazu gehörten die berühmten Fotos, auf denen er sich mit dem Wort "Sklave" auf der Wange ablichten ließ. Prince schummelte sich mit schlichten Best-of-Alben aus seinem Vertrag mit Warner. Zwischen 2001 und 2004 verkaufte er bereits Alben über seine Homepage, damals ein Novum. Stars, die ihre Plattenverträge auslaufen lassen, sind heute keine unfreiwilligen Rock-Frührentner mehr, sondern gelten als Freigeister.

Statussymbol Unabhängigkeit

Die Liste der unabhängigen Stars ist lang und wird ständig länger. Die Britpop-Stars der Neunziger, Oasis, haben seit einigen Monaten ebenfalls keinen Plattenvertrag mehr und planen Gerüchten zufolge, dem Vorbild von Radioheads Vertrieb nachzueifern. Sie wollen ihre nächste Single ausschließlich im Internet verkaufen - für 0,99 Pfund, etwa 1,40 Euro.

Das Netz emanzipiert die Künstler, Radiohead machten es vor: "Sie werden jetzt alle darüber nachdenken", schrieb Musikjournalist Stuart Clarke in Music Week. "Jede große Band wie Oasis oder Jamiroquai, die ohne Vertrag ist, wird dies als eine Option sehen." Die vermeintliche Zugpferde der Bewegung, Radiohead selbst, wollen sich aber nicht vor den Karren spannen lassen, sie würden einen Kampf gegen die Musikindustrie führen: "Uns ging es darum, dass wir fühlten, dass es das richtige für uns wäre und wir von dem gelangweilt waren, was wir früher gemacht haben".

Radiohead

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Wollen keine Revoluzzer sein: Radiohead

Viele folgen dem Vorbild

Die Band Jamiroquai steht auch auf eigenen Füßen, nachdem sie sich im April von Columbia Records trennte. Auch sie sollen angeblich das Netz für sich entdeckt haben und als Vertriebsweg nutzen wollen. Nicht nur Superstars, auch Newcomer und verblassene Sterne am Pophimmel profitieren vom Web. So verschenkt die Band "The Charlatans" ihr neues Album auf der Homepage eines Radiosenders.


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