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16.10.2007
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Das Web als Vertriebsalternative für bekannte Bands

Wie die Stars der Musikindustrie die kalte Schulter zeigen

Patrick Woods

Wie die Stars der Musikindustrie die kalte Schulter zeigen

Die Plattenfirmen jammern unter der Last der Filesharer. Jetzt kommt noch ein weiterer Tiefschlag für die Majors hinzu: Die Stars der Branche merken, dass es sich auch ohne Plattenfirma gut leben lässt und kehren den Labels den Rücken. Radiohead haben es vorgemacht, jetzt ziehen andere Musikgrößen nach.

Inhalt

Als die britische Band Radiohead vor zwei Wochen ankündigte, das neue Album nur im Selbstvertrieb über das Internet zu verkaufen, den Käufer den Preis selbst bestimmen zu lassen und dabei auch noch auf DRM zu verzichten, da war klar: Diese Aktion hat Signalwirkung. Der Erfolg gab der Band Recht. Die genaue Zahl der Verkäufe ist bislang unbekannt, doch die Webseite der Band wurden binnen weniger Tage die meistgeklickte Musikseite Großbritanniens.

Rezession in der Musikbranche

Die Musikindustrie hat ein Problem. Nach den Rekordumsätzen in den Neunzigerjahren schrumpft der Gewinn seit Jahren immer weiter zusammen. Kein Wunder: boten die Neunziger dank der Massenverbreitung der CD und dem Aufkommen der Musiksender paradiesische Umstände. Ein ganze Generation Teenager wuchs mit Rundum-Musikumsorgung auf.

CD-Stapel

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In den Neunzigern verkauften sich CDs wie geschnitten Brot.

Doch kein Aufstieg ohne anschließende Talfahrt. Irgendwann waren alle Klassiker der vergangenen Jahrzehnte noch einmal als CD verkauft, das Musikfernsehen verlor wieder an Fahrt und zu allem Überfluss tauchte gegen Ende des Jahrzehnts ein neues Schreckgespenst am einst so malerischen Musikhimmel auf: Filesharing.

Das Ende des Höhenfluges

Panik kam auf. Wie ein verletztes Tier konzentrierte sich die Industrie nur noch auf aggressive Verteidigung und Erhaltung des Status quo. Unfähig sich auf die neue Situation einzustellen, setzten die Unternehmen mehr denn je auf Bestandssicherung. Statt Innovationen gab es Bewährtes immer wieder und wieder. Funktionierende Konzepte wurden ausgeschlachtet, neue aus Angst gar nicht erst versucht.

Obwohl Napster bereits seit 1998 Musik über das Internet verbreiten konnte, gab es erst im Jahr 2003 die Möglichkeit, Musik von Majorlabels legal und komfortabel im Web zu kaufen. Was das Internet anbelangt, zeigten sich die großen Plattenfirmen als schlafende Riesen. Trotz aller Widrigkeiten, auf eine Konstante konnten sich die Branchengrößen immer verlassen: auf die Zugkraft ihrer Superstars.

Robbie Williams

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Dank Superstars wie Robbie Williams drückt sich die Branche vor Veränderungen.

Erfolgsgaranten Superstars

Ob Madonna, Robbie Williams oder Oasis: Ein neues Album war ein Umsatzgarant und half den Labels dabei, sich vor anstrengender Aufbauarbeit neuer Künstler oder dem riskanten Ausprobieren neuer Vertriebswege zu drücken. Jetzt bröckelt dieses Fundament. Die Stars werden sich bewusst, dass sie die Bemutterung eines Labels nicht unbedingt brauchen.


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PPaeuser, am 16.10.2007 17:50

Tatsächlich steht die Musikindustrie wohl vor ihrem größten Umbruch seit Beginn der 50er Jahre und mittlerweile scheint dies auch bei den Verantwortlichen angekommen zu sein. Wie ein Erfahrungsbericht unseres CEO vom digital music forum west in Los Angeles zeigt, werden in der Musikindustrie endlich neue Geschäftsmodelle kontrovers diskutiert, um auch in Zukunft an der Vermarktung von Musik beteiligt zu sein. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob dann nicht bereits andere das Heft in die Hand genommen haben.
Einen ausführlichen Bericht dazu gibt es hier:
MAGIX Blog - Die Musikindustrie diskutiert ihre eigene...


Diggsagg, am 17.10.2007 03:07

Zitat:

Das Web als Vertriebsalternative für bekannte Bands


Tja, das Problem liegt schon in der Überschrift: "bekannte Bands"...

Sicherlich werden einige andere, namhafte Künstler nachziehen, aber die wenigsten werden den Vertrieb ihrer Musik weitgehend selbst in die Hand nehmen, weil sie nun mal in erster Linie Künstler und keine Geschäftsleute sind. Die Major-Labels werden weiterhin gutes Geld verdienen (z.B. durch kostenpflichtige Downloads) und die Künstler, die es mal wagen, ein Album zum kostenlosen Download anzubieten, werden mit überteuerten Konzertkarten weiterhin ihre Brötchen verdienen. Die wahren Leid tragenden des "Filesharer-Booms" sind in erster Linie Indie-Labels und unbekanntere Künstler, über die keiner ein Wort verliert und die wirklich noch mit Herzblut bei der Sache sind und wahre Qualität abliefern. Und zum aktuellen Beispiel kann man eigentlich nur noch sagen, dass die letzten Radiohead-Alben durchgehend grottig schlecht waren, und es mich nicht wundert, dass die Mannen um Thom Yorke es nun nötig haben, ihr Gesülze nun zu "verschenken"...


Blindenhund, am 17.10.2007 14:27

Hallo!

Zitat:

Tja, das Problem liegt schon in der Überschrift: "bekannte Bands"...


Ja, das stimmt in weiten Teilen sicherlich. Aber ich denke, dass sich die Situation durch das Web auch für Nachwuchskünstler verbessert hat. Denn nie war es so einfach und so günstig, ein paar Demosongs unter das Volk zu bringen. Vor zehn Jahren musste man dafür mindestens 1.000 Mark in die Hand nehmen, um ein paar Sachen aufzunehmen und auf CD zu haben.

Das ist schon einfacher geworden. Dadurch entsteht natürlich sehr viel Material und man droht vielleicht im Rauschen der ganzen Downloaddemos unterzugehen. Aber dank Musikblogs und Portalen für Amateurmusiker gibt es einige Anlaufstellen, wo man vorselektierte und lohnende Sachen findet.

Um entdeckt zu werden, braucht man vermutlich heute genau so viel Glück und Talent wie früher. Aber dafür ist man von der Vermarktungspolitik der (großen) Firmen unabhängig, die vor allem bestehende Zielgruppen bedienen.

Aber auf der anderen Seite gibt es ja auch tolle Labels und nicht nur die großen Fastfood-Musik-Verwerter, da muss ich dir auch Recht geben.
Ich glaube aber, dass gerade diese Nischen Bestand haben werden. Denn Radio-Musik ist austauschbar und von geringem persönlichen Wert, weil sie mehr "berieselt" als dass sie bewusst konsumiert wird.

Spartenmusik wird aber eher von Enthusiasten gehört, denen es nicht unbedingt egal ist, von wem die Musik ist und ob das Lieblingslabel pleite geht.

Gruß,


fireball78, am 18.11.2007 23:25

TZZZ - Jahrelang gescheffelt und mit Knete die Taschen vollgehauen - Und es wird sich Rächen ! Und dies is erst der Anfang !

Gruss an Sony, BMG und CO`s :cool:


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