90 US-Dollar für unbegrenzten Musikgenuss
Music Markt: Plattenfirmen planen Handy-Pauschale
Universal Music will iTunes und kostenlosen Tauschbörsen mit einem neuen Patentrezept zu Leibe rücken: Hersteller von Handys und anderen Endgeräten sollen die Kosten für ein Musik-Abo tragen und ihren Kunden damit kostenlos Zugriff auf eine unbegrenzte Anzahl von Songs bieten.
Das Total Music genannte Konzept sieht vor, dass Gerätehersteller den Plattenfirmen für jedes verkaufte Handy und jeden MP3-Player 90 US-Dollar zahlen. Die Musikwirtschaft verspricht sich davon bei einer durchschnittlichen Endgeräte-Lebensdauer von 18 Monaten fünf Dollar Abo-Gebühren pro Monat.
Firmen könnten die Gebühr auf den Preis ihrer Geräte aufschlagen und damit gewissermaßen versteckt an den Kunden weitergeben. Angesichts von Apples iPod-Marktführerschaft könnte eine Firma wie Microsoft jedoch auch gewillt sein, den eigenen Player zu subventionieren, um damit langfristig größere Marktanteile zu erhalten. Mobilfunk-Anbieter könnten Apples iPhone Konkurrenz machen, indem sie ihr Handy als Gerät mit einer unbegrenzten Musik-Sammlung vermarkten.
Sony BMG mit an Bord
Universal hat einem Bericht der Business Week zufolge bereits den Konkurrenten Sony BMG von der Idee überzeugen können. Warner Music soll ebenfalls an dem Plan interessiert sein. Die drei Firmen kontrollieren zusammen genommen rund 75 Prozent aller in den USA veröffentlichter Musik. Total Music entstand aus dem Wunsch heraus, mit Apples iTunes Music Store zu konkurrieren. Plattenfirmen wie Universal beschweren sich seit langem darüber, dass Apple zu viel Kontrolle über den Online-Musikmarkt besitze.
Doch die Idee könnte auch nachhaltige Konsequenzen für Apples Konkurrenten haben: Abo-Anbieter wie Napster oder Realnetworks Rhapsody bemühen sich seit Jahren darum, Musik zu einem monatlichen Pauschalpreis zu verkaufen. Derartige Angebote kosten rund zehn bis 15 Dollar pro Monat. Den Firmen ist es jedoch bisher schwer gefallen, genügend Kunden für ihre Abo-Pakete zu begeistern. Ein nahezu kostenloser Konkurrent könnte Napster & Co. weiter das Wasser abgraben.
Kopierschutz vs. MP3s
Gleichzeitig ist unklar, ob Gerätehersteller wirklich ein Interesse daran haben, Geld in ein weiteres kopiergeschütztes Musikangebot zu stecken. Derzeit bewegt sich der Online-Musikmarkt in großen Schritten auf das MP3-Format zu. So eröffnete Amazon kürzlich in den USA einen Download-Shop, bei dem alle Titel ohne Kopierschutz angeboten werden. Selbst Microsoft bietet für seinen Zune mittlerweile Musik ohne Kopierschutz an.

Das Major-Label Universal hat angekündigt, künftig Musik ohne DRM zum Download anzubieten. Damit hat nach EMI ein weiterer Mediengigant der gesicherten und eingeschränkten Online-Musik abgeschworen. Zusätzlich versucht Universal, die Marktmacht von Apples iTunes Stores zu brechen. Der Musikmarkt bleibt in Bewegung.
Der P2P-Anbieter Limewire hat jetzt angekündigt, bald einen Download-Shop für MP3s zu eröffnen. Limewire kooperiert dazu mit zahlreichen Indie-Bands. Der Rechtsstreit mit den großen Plattenfirmen geht unterdessen unvermindert weiter.
MySpace, das soziale Online-Netzwerk, startet im Sommer laut Medienberichten einen eigenen Musik-Shop. Bisher seien unter den Anteilseignern des Joint-Venture drei große Plattenfirmen: Sony BMG, Universal Music und Warner Music.
Itunes hat sich seit Jahresbeginn zum größten Musik-Händler der USA gemausert. Myspace will sich trotzdem daran versuchen, Apple mit kostenlosen Streams und MP3-Verkäufen Konkurrenz zu machen.




