Neue Zählmethode für TV-Reichweite
USA: Festplattenrekorder verhageln TV-Quote
Manuel Masiero
Festplatten-Videorekorder verhageln amerikanischen Werbeunternehmen zunehmend die TV-Quote. Schon 20 Prozent aller dortigen Haushalte verfügen über die praktischen Geräte. Eine neue Meßmethode berücksichtigt nun die Rekorder und soll helfen, den Zuschaueranteil wieder realistisch zu ermitteln.
TV-Empfangsgeräte mit integrierter Festplatte werden auch hierzulande immer beliebter. In Deutschland wurden 2006 rund 180.000 dieser Geräte verkauft, die TV-Sendungen über Satellit, Kabel oder auf terrestrischem Weg empfangen. Das sind etwa 0,6 Prozent aller Haushalte. Von amerikanischen Verhältnissen ist man damit noch weit entfernt. In den USA stieg der Anteil der Haushalte, die über einen Festplatten-Videorekorder verfügen, im letzten Jahr von neun auf 20 Prozent. Dort ansässige Werbeunternehmen forderten daher 2006, diese Zielgruppe ebenfalls bei der Reichweiten-Messmethode einzuschließen.
Eine vom Marktforschungsinstitut Nielsen entwickelte Methode berücksichtigt jetzt die mittels Festplatten-Videorekorder gesehene Werbung. Dabei unterscheidet man dabei zwischen drei Kategorien: In die Schubladen eins und zwei fallen die werberelevanten Zuschauer, die sich Sendungen live oder noch am gleichen Tag ansehen. Kategorie drei ist für die Werber uninteressant: Sie schauen sich die Sendungen erst am nächsten Tag, jedoch innerhalb derselben Woche an. Anders als in den USA will man in Deutschland wegen dem geringen Anteil der Festplatten-Videorekorder nichts an der TV-Messmethode ändern.
Mit Festplatten-VCRs selbst den Programmchef spielen
Je mehr Zuschauer eine Sendung verfolgen, desto mehr Werbeblöcke lassen sich auch dafür verkaufen. Um die Einschaltquote zu ermitteln, zählt man nicht nur diejenigen Personen, die sich das Programm ansehen, sondern auch den Zuschauer-Anteil, der während der Werbepause vor dem Bildschirm ausharrt. Festplatten-Videorekorder hebeln die traditionelle Zählweise allerdings aus.
Mit den praktischen Geräten kann man selbst den Programmchef spielen. Weil die Rekorder jede Sendung automatisch auf die integrierte Festplatte aufzeichnen, lässt sich das Live-Fernsehen jederzeit auf Knopfdruck anhalten und zu einem späteren Zeitpunkt weiterverfolgen. Netter Nebeneffekt: Unliebsame Werbeunterbrechungen lassen sich damit ebenso einfach überspringen. Für Free-TV-Sender ist das allerdings weniger erfreulich, da sie sich größtenteils über Werbung finanzieren.
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