Krankenakte online - ein Datenschutzrisiko
Problem Sicherheit
Es wäre fatal, wenn Datenbestände durch eine Sicherheitslücke in falsche Hände gelangen würden. Hunderte, tausende oder millionen Datensätze könnten aus einer einzigen zentralen Datenbank kopiert werden. Die "e-Health Vulnerability Reporting Program", eine gemeinnützige Organisation aus den USA, untersucht die Sicherheit der E-Health-Daten. Ihr Resumee nach 15 Monaten Untersuchung: Es sei zu einfach, sich in elektronische Gesundheitsakten zu hacken und diese zu verändern oder zu löschen.
Bereits einfache Hackerfähigkeiten reichten aus, um Daten aufzurufen und zu manipulieren. Die gute Nachricht: Das Risiko von offenen Sicherheitslücken könnte dramatisch reduziert werden, wenn angemessene Sicherheitskontrollen gemacht würden. Insgesamt seien medizinische Systeme nicht anfälliger für Sicherheitslücken als andere Software. Allerdings sei das Sicherheitsbewusstsein der Nutzer hier geringer, warnt die Organisation. Die Hersteller sollen mehr testen und Nutzer über Lücken aufklären, fordert die "e-Health Vulnerability Reporting Program".
Der digitale Patient in Deutschland
Auch die Leitung des deutschen EPA-Projektes ist sich der Brisanz ihrer Entwicklung bewusst: "Es gibt wohl kaum irgendeine andere IT-Anwendung - vermutlich nicht einmal im Bankenwesen -, die ein derart hohes Schutz- und Sicherheitsniveau bei gleichzeitig so hoher Struktur- und Funktionskomplexität haben muss", ist auf ihrer Homepage zu lesen. Deshalb machen sich die Beteiligten Gedanken darüber, wie man mit Hilfe vom Kryptografie und Zugriffsrechten die Daten der Bürger schützen kann.
Die Elektronische Patientenakte ist nicht das einzige Großprojekt, das das deutsche Gesundheitswesen zurzeit anstrebt. Denn da wäre noch die "Elektronische Gesundheitskarte" zu erwähnen. Ein Projekt, das später einmal die heutige Krankenkassenkarte ersetzen soll. Die "eGK" soll ebenfalls zentral alle wichtigen Daten speichern, wie beispielsweise Untersuchungsergebnisse. Sie soll helfen, "die Kommunikation aller an der Gesundheitsversorgung Beteiligten zu verbessern".
Digitale Karte mit zweifelhaftem Nutzen
"Die Elektronische Gesundheitskarte wird zu mehr Effizienz im Gesundheitswesen führen", versprechen die Planer der eGK. Die Patientenrechte sollen dabei angeblich ebenfalls gestärkt werden: "Wer mehr über seinen Gesundheitszustand weiß, kann auch mehr Eigenverantwortung für seine Gesundheit übernehmen". Dem Chaos Computer Club wurde ein Dokument zugespielt, das eigentlich nur für den internen Gebrauch gedacht war. Der Inhalt: eine Kosten/Nutzen-Analyse der eGK, durchgeführt von Analysten von "Booz Allen Hamilton".

Das Unternehmen stellt der Gesundheitskarte kein gutes Zeugnis aus: Über einen Zeitraum von fünf Jahren werden die Kosten die Nutzen wahrscheinlich bei weitem übersteigen. Interessanterweise verteilen sich Kosten und Profit dabei ungleichmäßig. Während Patienten, Krankenhäuser, Apotheken und vor allem die Ärzte deutlich draufzahlen, profitieren die gesetzlichen Krankenkassen umso mehr.
Eine politisch verordnete Sparmaßnahme für die gesetzlichen Kassen - auf Kosten des Gesundheitssystems. Von der versprochenen Vereinfachung durch die Elektronik ist im Bericht wenig zu lesen. Die Analysten von Booz Allen Hamilton geben zu bedenken, dass viele Prozesse sogar umständlicher werden würden: So dauern elektronische Verordnungen von Medikamenten länger, weil die Signatur eingelesen werden muss und eine PIN-Nummer eingetippt wird. Dem gegenüber steht die einfache klassische Unterschrift.
Vorsicht geboten
Digitale Patientenakten versprechen viel Komfort, nützen in der Praxis aber vor allem den Krankenkassen und nicht den Bürgern. Informationen rund um die persönliche Gesundheit sind so heikel, dass man sich gut überlegen sollte, wem man diese anvertraut.

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