Taktieren im Trommelfeuer

Spieletest: Enemy Territory Quake Wars

Für ihr schlechtes Aussehen können die Strogg nichts, für ihr schlechtes Benehmen schon. Die aus Metall und Gammelfleisch zusammengeflickten Aliens suchen zwecks Körperernte die Erde heim. Klar, dass die Erdlinge ihre bedrohte Haut so teuer wie möglich verkaufen wollen. Unter dem Kommando der Global Defence Force (GDF) bereiten sie den Angreifern einen heißen Empfang. Das erste Opfer dieses Krieges ist die Rahmenhandlung, denn sie endet mit dem Startschuss an der Mehrspielerfront.

?
?


Nicht nur Liebe geht durch den Magen: Der Strogg-Sanitäter kann die Überreste seiner Opfer als Wiedereinstiegspunkt missbrauchen. Die vielschichtigen Talente der gebotenen Charakterklassen bereichern die Spielmechanik.

In der Gamesbranche gibt es sie noch, Jobmärchen, die in Zeiten von Zeitarbeit und Privatisierung umso märchenhafter erscheinen. Für kreative Köpfe, die "ehrenamtlich" Modifikationen für kommerzielle Games entwickeln, kann aus Spiel Ernst werden - lohender Ernst. Sei es im Rahmen eines hoch dotierten Wettbewerbs, siehe "Red Orchestra", oder weil die Industrie auf ein gelungenes Fanprojekt aufmerksam wird.

Beim Spielervolk für ihre Multiplayer-Modifikationen und -karten geschätzt, bandelten britische Hobbyprogrammierer mit den Großen der Szene an. Die Hitschmiede id Software, Wiege von "Quake" und "Doom", beauftragte die Nachwuchsprogrammierer mit der Entwicklung des Multiplayerspiels "Wolfenstein: Enemy Territory", einem Dauerbrenner im Netzwerkkrieg. Später realisierten die Multiplayerspezialisten unter dem Firmennamen Splash Damage den Netzwerkmodus des Schockers "Doom 3". Die gesammelte Erfahrung konnte das Team in "Enemy Territory: Quake Wars" einbringen, einer Eigenproduktion im weitesten Sinne, die wiederum im Auftrag von id Software entstand.

Enemy Territory: Quake Wars


Werbung

Doom Open Air

Als Ausgangsmaterial diente eine modifizierte Version der "Doom 3"-Engine. Dank des so genannten Megatexture-Verfahrens gelingt der mittlerweile betagten Grafiktechnologie ausgerechnet das, wofür sie ursprünglich gar nicht vorgesehen war: die Darstellung weiträumiger Außenareale. Auch wenn im Bezug auf Explosionen inzwischen sogar Strategiespiele wie "World in Conflict" stärker auftrumpfen, präsentiert sich "Enemy Territory: Quake Wars" bei vergleichsweise gezügeltem Hardwarehunger optisch abwechslungsreich und ausgewogen.

Gut gelungen sind die Cockpitansichten der irdischen und außerirdischen Vehikel. Trotzdem ist der Run auf Panzer und Flugzeuge nicht ganz so groß ist wie etwa bei "Battlefield", was vor allem daran liegt, dass den verschiedenen Infanterieklassen - fünf auf jeder Seite - insgesamt mehr Bedeutung zukommt. Die auf unterschiedlichen Erdteilen angesiedelten und in mehrere Missionen gegliederten Kampagnen sind auf den Einsatz von Spezialisten zugeschnitten. So können nur Geheimagenten Schutzschilde hacken, während Techniker für Reparaturen oder Konstruktionen verantwortlich sind. Für jede Charakterklasse geben die Missionen individuelle Ziele aus und belohnen deren Umsetzung mit Erfahrungspunkten.

Links zum Thema



Forum