Radiohead gibt den Klingelbeutel herum
Verkehrte Netzwelt: Null Null Euro
Michael Knott
"Hast du etwas Geld für mich, dann singe ich ein Lied für dich, vom schönen bunten Regenbogen und unserem neuen Studio-Album." Die britische Band Radiohead verkauft ab dem 10. Oktober das neue Album "In Rainbows" und schlägt dabei schräge Vertriebswege ein. Den Preis des Albums bestimmen die Käufer dabei selbst.
Stellen Sie sich vor, Sie wohnen auf dem Land und Ihnen ist die Milch ausgegangen. Sie schnappen sich die Milchkanne und schlendern zum nächstgelegenden Bauern. Der freut sich schon, hat Sie bereits erwartet. Statt den üblichen Preis zu zahlen, können Sie ihm dieses Mal so viel in die Hand drücken, wie Ihnen gerade passt. Ähnliches bewegt gerade die Musikindustrie.
Kein iTunes, kein Plattenladen
Die britische Band Radiohead macht gerne große Schritte, verlässt mit ihrer Musik provokativ gewohntes Terrain. Bereits vor der Veröffentlichung des neuen Albums mit dem Titel "In Rainbows" schlagen die Wellen hoch. Der Grund: Ab dem 10. Oktober wird es zunächst ausschließlich und auf direktem Wege über die Homepage der Band an den Fan gebracht. Damit nicht genug: Die Nutzer können über den Preis, den sie für das neue Album zahlen wollen, selbst bestimmen.
Die Songs stehen ohne Kopierschutz im MP3-Format zum Download bereit. Statt in den Plattenladen um die Ecke zu gehen und viel Geld auf den Tisch zu legen, kommt der Fan im günstigsten Falle mit 64 Cent davon. Dies entspricht exakt der Transaktionsgebühr, die für die Zahlung per Kreditkarte fällig wird. Alternativ kann man zur Deluxe-Discbox für knapp 60 Euro greifen, die mit Bonus-Material gespickt ist. Auch bei iTunes wird "In Rainbows" nicht zu kaufen sein.

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Nein wirklich: Zahl so viel du willst!
Eine Kampfansage an den klassischen Vertriebsweg im Musikgeschäft: Das neue Album wurde von der Band selbst produziert, abgemischt und nun auch noch in Eigenregie vermarktet. Gerade die Vermarktung war bislang einer der Hauptaufgaben der großen Major-Labels, die mit Spannung auf das Experiment blicken dürften.
Richtiger Radiohead-Riecher
Nur um festzustellen, dass sie in der Musik-Verwertungskette bald vielleicht nur noch eine Nebenrolle spielen könnten. Wenn überhaupt. Die frohe Kunde das das neue Album nach Geschmack bezahlt werden kann, macht gerade in Zeiten des Internets schnell die Runde.
Erste Umfragen zeigen, dass der Radiohead-Riecher richtig roch. Die meisten Fans werden das Angebot demnach nicht schamlos ausnutzen, sondern einen angemessenen Preis für das neue Album zahlen. Es gibt sogar schon Foren und Blogeinträge, in denen Musikliebhaber behaupten, zum ersten Mal überhaupt ein Radiohead-Album zu kaufen. Nicht der Musik wegen, sondern um diesen ambitionierten Vorstoß gegen die Musikindustrie zu unterstützen.
Dieser Effekt wird sich jedoch eher früher als später verflüchtigen. Heute wird Radiohead dieser Schritt noch gedankt, morgen ist es vielleicht der Tod der Nachwuchsbands. Obwohl die Stimmen in vielen Bandköpfen ohnehin schon schreien: Geld verdient man als Musiker nicht mehr über die CD-Verkäufe, sondern über Konzert- und Merchandise-Einnahmen. Der Krieg hat begonnen. Nun denn - möge das erfolgreichste Konzept gewinnen.
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