Joost: Schicke Schale, leerer Kern
Der erste Schritt, der schwerste Schritt
Umso ärgerlicher ist diese Tatsache, weil das System steht, stabil läuft und Potenzial hat. Joost lässt sich in Media-Center-Manier bedienen, in jeder Sendung kann nach Belieben hin- und hergesprungen werden, die Werbung ist deutlich erträglicher als im normalen TV. Wie gut würden sich hier statt zweitklassiger Kinostreifen echte Erfolgsfilme machen, bekannte Staffeln oder Perlen des Independent-Sektors. Die Ablösung des Fernsehens wäre bei vergleichbaren Inhalten dann nur eine Frage der Zeit.
Doch vielleicht kommt Joost hier zu früh: Weder die anvisierte Zielgruppe noch die anvisierten Anbieter haben Erfahrungen mit diesem Gesamtkunstwerk, das mit dem heutigen TV so viel und doch so wenig gemeinsam hat. Möglicherweise muss erst ein Prozess durchlaufen werden, der mit der Vermarktung von Musik über das Internet vergleichbar ist; denn auch da sind nach mehreren Jahren immer noch nicht die letzten Zweifel ausgeräumt, ob die Produkte der Labels im Netz wirklich gut aufgehoben sind. Fernsehen steht hier noch ganz am Anfang.
Joost
Auch Instant Messenger und Mail-Accounts sollen sich in Joost einbetten lassen.
Neben der normalen Steuerung können auch Senderinformationen aufgerufen werden.
Es ist also denkbar, dass sich Joost erst einmal mit der Rolle des Vorreiters begnügen muss, der die Bühne für erfolgreiches Internet-TV bereitet. Und bei genauerer Betrachtung wäre das sogar ein positives Signal: Nicht die Technik steckt die Grenzen dessen ab, was in Sachen IPTV möglich ist. Sondern die Wirtschaft, die sich mit dem neuen Medium anfreunden und ihre Inhalte zur Verfügung stellen muss. Hier sollte die Überzeugungsarbeit anfangen, erst dann lässt sich auch der Nutzer überzeugen.
Ein Knaller wäre der Zünder
Was müsste sich also bis zur Veröffentlichung der finalen Version von Joost tun, um zumindest auf Seiten der Konsumenten die Weichen zu stellen? Ein Blockbuster. Ein einziger wirklich erstklassiger, womöglich sogar exklusiver Inhalt, der eine breite Masse anspricht. Ein Gedankenspiel: Eine weltberühmte US-Serie wie Desperate Housewives erscheint einen Tag nach der normalen Ausstrahlung im Joost-Client. Menschenmassen und Lobeshymnen würden folgen.
Das scheinen auch die Macher von Joost erkannt zu haben: Kollaborationen mit CBS und Paramount Pictures bringen CSI, Numb3rs und den einen oder anderen wirklich bekannten Kinofilm in das unterbesetzte Sortiment. Auch die Zweitverwertung der Baseball-Übertragungsrechte der amerikanischen MBL ist ein Schritt in die richtige Richtung. Falls Joost die Signale also wahrgenommen hat und weiterhin zum Angriff auf das Normalo-TV blasen will, sollte möglichst bald ein echter Knaller zünden.

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ja mag schon sein aber wie du schon in deinem artikel schreibst, potential ist vorhanden und wenn die richtigen leute dies erkennen wird einiges passieren denke ich. mir gefällt joost sonst sehr gut, es ist...