RIAA gegen Filesharer: Die nächste Runde
Indizien gegen die Angeklagte
Die Musikindustrie muss zudem noch nachweisen, dass Thomas diese Dateien tatsächlich gehören. Auch bei diesem Fall hatte die Musikindustrie bis zuletzt versucht, einen Schwurgerichtsprozess zu verhindern. Ein in letzter Minute eingereichter Antrag auf eine schnelle Richterentscheidung wurde abgewiesen. Die Musikindustrie bot Thomas einen Vergleich an, sie lehnte ab. Beobachter des Prozesses sehen das Verhalten der RIAA-Anwälte als Zeichen dafür, dass der Musikindustrie bewusst ist, wie dünn der Faden ist, an dem ihre Beweisführung hängt.
Im aktuellen Prozess gegen Jammie Thomas bekommt die RIAA jedoch auch unfreiwillige Unterstützung von der Angeklagten selbst. Denn die zweifache Mutter aus Minnesota verstrickte sich bei ihrer Aussage vor Gericht in Widersprüche zu ihrer bisherigen Aussage. So sagte sie ursprünglich aus, nur gelegentlich CDs auf den Computer zu kopieren, sagte aber vor Gericht, auch einmal 2.000 Lieder in zwei Tagen gerippt zu haben. Zudem widersprach sie sich bei Aussagen, wann sie ihren Computer und eine neue Festplatte gekauft hatte.

Eines der Indizien gegen Thomas ist die Tatsache, dass viele der Alben auf ihrem Computer in kurzer Zeit hintereinander gespeichert wurden. So liegen zwischen den Erstellungsdaten der Lieder meist nur einige Sekunden. Ein Sachverständiger sagte aus, dass die Dateien illegal von einer anderen Festplatte kopiert worden sein müssen. In einer Demonstration vor Gericht zeigte die Verteidigung, dass es aber möglich ist, eigene CDs mit der gleichen Geschwindigkeit zu rippen - legal.
Gegen Thomas spricht auch die Tatsache, dass viele Bands aus dem Shared Folder auch zu ihren Lieblingsbands gehören. Des Weiteren verwendet sie den Usernamen "tereastarr", der bei dem Kazaa-Account genutzt wurde, auch als E-Mail-Adresse und als Usernamen im Internet. Ein Ex-Freund unterstützte die Aussagen von Jammie Thomas. Er sagte von Gericht, dass Thomas viele Hundert CDs besessen habe und diese auch auf ihren Computer rippte. Kazaa habe er sie nie benutzen sehen.
Viel zu verlieren
Doch selbst wenn die Jury der RIAA glaubt, dass der freigegebene Ordner tatsächlich Jammie Thomas gehört, so muss sie immer noch ihre wackelige Argumentation von der Distribution durchbringen. Weist die Entscheidung der Jury diese Beweiskette ab, rinnt der Musikindustrie damit ihre einzige Waffe gegen mutmaßliche Filesharer durch die Finger. Damit wäre es für die RIAA kaum noch möglich, Musiktauscher zu überführen. Es steht viel auf dem Spiel.

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