Teles will Verlustgeschäft aufgeben
skyDSL: DSL-Alternative für Landeier vor dem Aus
Stefan Hagedorn
Schwere Zeiten für den Breitband-Dienst skyDSL. Die starke Konkurrenz durch die rückkanalfähigen Angebote Tooway und Astra2Connect und die stagnierenden Kundenzahlen haben den Ein-Wege-Zugang über Satellit in arge Existenznöte gebracht. Neue Investoren und eine kräftige Finanzspritze vom Partner Eutelsat sollen das Überleben jetzt sichern.
skyDSL wickelt den Download der Daten, die aus dem Internet angefordert werden, über Satellit ab. Für die Anforderung der Daten, den so genannten Upstream, wird eine herkömmliche Internetverbindung benötigt. Das verursacht nicht nur zusätzlichen Aufwand, sondern auch entsprechende Kosten. SkyDSL wird daher auch als Ein-Wege-Zugang bezeichnet. Bereits Anfang September hatte Teles-Vorstand Sigram Schindler gegenüber dem Berliner "Tagesspiegel" laut über eine Einstellung nachgedacht.

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Das Prinzip von skyDSL illustriert diese Abbildung (Quelle: skyDSL).
Das börsennotierte Unternehmen schrieb mit skyDSL von Anfang an tiefrote Zahlen, die Verluste steigen von Jahr zu Jahr. Allein im ersten Halbjahr des laufenden Jahres sollen mehr als 1,5 Millionen Euro in den Sand gesetzt worden sein. Nur rund 30.000 Kunden konnten trotz groß angelegter Werbekampagnen bislang gewonnen werden. Für einen wirtschaftlichen Betrieb benötigt Teles eine Million zahlende Kunden. Diese Zahl war in diesem Zusammenhang immer wieder in den Raum gestellt worden. Auch die Entscheidung, die für den Direktempfang unattraktive Orbitposition 8° West auszuwählen, dürfte einen Anteil am ausbleibenden Erfolg haben.
Die Zukunft heißt Tooway
Seit wenigen Tagen ist Teles offizieller Vertriebspartner von Tooway, einem Breitband-Dienst, der Down- und Upstream über Satellit anbietet und somit für den Kunden deutlich attraktiver ist. Neben Eurobird 3,33° Ost kommt auch die Hot Bird-Position 13° Ost für den Zwei-Wege-Zugang zum Einsatz. In Deutschland nimmt durch das Astra-Satellitensystem die Orbitposition 19,2° Ost unangefochten eine Ausnahmeposition ein, dennoch ist Hot Bird wegen seiner großen Sprach- und Kanalvielfalt auch hierzulande recht attraktiv. Auch Astra2Connect, das Konkurrenzprodukt zu Tooway, wurde aus Kapazitätsgründen vor geraumer Zeit auf die im Ausbau befindliche Orbitposition 23,5° Ost ausgelagert.
Zwei-Wege-Zugang im Trend
Ein eigener Satellit soll zusätzliche Kapazitäten in den nächsten Jahren zur Verfügung stellen und damit der erwarteten Nachfrage entsprechen. Vor allem in den Regionen, in denen keine Breitbandversorgung geplant ist, will Teles möglichst viele Kunden an sich binden. Ende September war bereits die Einstellung des Geschäftsbereiches zum Jahresende angekündigt worden. Aber nur wenige Stunden später übte sich das Unternehmen in der Rolle rückwärts und hat ein weiteres Mal Kämpfergeist bewiesen, um das Prestigeobjekt doch nicht sang- und klanglos zu beerdigen. Bereits vor einem Jahr hatte man sich dazu durchgerungen, dem Projekt noch eine Galgenfrist einzuräumen.
Finanzspritze von Eutelsat
Nach Worten von Teles skyDSL-Geschäftsführer Andreas Krüger soll der Dienst voraussichtlich ab 1. Januar in einer neuen Gesellschafterstruktur angeboten werden. "Gespräche mit in Frage kommenden Partnern werden bereits seit einiger Zeit geführt. Für skyDSL-Partner und -Kunden soll es voraussichtlich keine wesentlichen Veränderungen geben. Der langjährige Partner Eutelsat hat bereits signalisiert, die Kooperation mit skyDSL fortzuführen und sogar zu intensivieren", sagte Krüger am Montag auf Anfrage von netzwelt.
Der Satellitenbetreiber könnte mit Investitionen maßgeblich zur erneuten Rettung von skyDSL beitragen. Aber wird es nicht vielmehr eine neuerliche Geldvernichtungsmaschine? "Wir haben in den letzten Monaten nicht nur sehr viel Zuspruch für die neuen Flatrate-Tarife erhalten, sondern konnten außerdem mit dem Verkauf der neuen Hardware, der skyDSL BOX, starten. Der Start verlief hier außerordentlich positiv. Wie geplant werden wir noch vor Ende des Jahres unseren Dienst erweitern und dann auch Zwei-Wege-Satelliteninternet anbieten", zeigt sich Teles selbstbewusst. Ob die ambitionierten Pläne diesmal von Erfolg gekrönt sind, darf allerdings stark bezweifelt werden.
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