Filesharing-Wächter als Kinderporno-Jäger
Heikle Mission: Beweise in der Hand einer Firma
Momentan ist noch unklar, ob MediaDefender selbst die fraglichen Dateien herunterladen wird oder dies den Ermittlern überlässt. Sollte das Unternehmen selbst wissentlich Kinderpornos herunterladen, dann könnte es damit in Konflikt mit amerikanischen Bundesgesetzen kommen.
Mehrere Strafverteidiger haben mit Unverständnis auf die Pläne der Staatsanwaltschaft reagiert. "Es ist bizarr", sagte Martin Pinales, ein früherer Präsident der Vereinigung der Strafverteidiger, gegenüber dem Magazin "Wired". "Was sie da tun: Sie sagen: 'Wir machen Euch zum Kopfgeldjäger, wir bezahlen Euch um Beweise zu sammeln, sodass wir in Zukunft irgendwen verklagen können', aber MediaDefender hat keine Erfahrung in der Strafverfolgung".
Ein anderer Verteidiger, Jeffrey Douglas aus Kalifornien, sieht noch einen weiteren kritischen Aspekt bei dieser Angelegenheit: Ein Privatunternehmen, das unter Vertrag steht Informationen zu beschaffen, hätte einen finanziellen Anreiz Resultate zu produzieren. "Was, wenn sie am Ende des Vertrages nicht genug Fälle geschafft haben, verlieren sie dann ihren Vertrag?", fragt der Anwalt.

Die Juristen sehen in der Kooperation der Staatsanwaltschaft eine gefährliche Vermischung von finanziellen Interessen und dem sensiblen Thema Strafverfolgung. Aus den E-Mails zwischen dem Büro des Staatsanwalt und MediaDefender geht hervor, dass das Unternehmen vorschlägt, täglich ein Gigabyte Daten mit tausenden IP-Adressen aus New York zuzusenden. Die IPs werden mit einer eigenen Geo-Software zugeordnet.
Testlauf mit schlechtem Ergebnis
Bislang jedoch mit mäßigem Erfolg: MediaDefender gibt in den E-Mails zu, dass in einem ersten Test "sehr viele false positives" auftraten - falscher Alarm. "Keine Software kann bestimmen, ob eine Person auf einem Bild 17 oder 18 ist", sagt Jeffrey Douglas. Jeff Adachi aus San Fransisco gibt zu bedenken, dass bei diesem Verfahren ein Unternehmen die Macht in der Hand hält, wer verfolgt wird und wenn sie laufen lassen.
Ganz besonders schwer wiegen die Sorgen um den Datenschutz und die Sicherheit vor Manipulation der Beweise. Jeffrey Douglas in "Wired": "Es ist auch unter den günstigsten Umständen schwierig, das Material zu schützen". Im abgehörten Telefonat zwischen Staatskanzlei und MediaDefender betont das Büro von Cuoma, dass die Beweise vor Gericht Stand halten müssten.
Beweise mit zweifelhafter Glaubwürdigkeit
Vor Gericht hätten die vom kalifornischen Unternehmen vorgebrachten Beweise möglicherweise Probleme mit der Glaubwürdigkeit. In der Bevölkerung fehlt diese ohnehin. Durch dubiose Methoden wie der "MiiVi"-Plattform und durch den erfolgreichen Hackerangriff hat das Unternehmen Schwäche gezeigt. Schwäche, die man nicht an den Tag legen sollte, wenn es um ein so sensibles Thema wie Kinderpornografie geht.
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