Großes Konfliktpotenzial
Spieletest: World in Conflict
Michael Dees
Die Russen sind da! Nicht in den Ehrenlogen europäischer Fußballklubs oder an den Bars ägyptischer Ferienanlagen; nein, mit schwerer Artillerie, Panzern und Kampfhubschraubern überrumpeln sie Ende der Achtzigerjahre den Westen. Auch die Vereinigten Staaten werden von der Kriegsmaschinerie der Roten Armee heimgesucht. Wie (gut) das aussieht, davon können sich Strategiefans seit dem 21. September selbst ein Bild machen.
Rückblickend erscheint der Job eines amerikanischen Hafenarbeiters zurzeit des Kalten Krieges als der gefährlichste im ganzen Land. Immerhin konnte nicht ausgeschlossen werden, dass neben kriminellen Kubanern auch zänkische Russen aus irgendwelchen Schiffsbäuchen kraxeln. - Unsinn? In "World in Conflict" ist genau das Realität. 1989 gehen in Seattle sowjetische Kampfverbände an Land, versteckt in zivilen Frachtschiffen. Entsprechend groß ist der Schock der Amerikaner, obwohl das Pentagon damit hätte rechnen müssen, sind die Sowjets doch Wochen zuvor in Europa eingefallen. Und weil eben dort ein Großteil der US-Armee im Kampf steht, scheint die Lage aussichtslos, als der Freiheitsstatue wenig Tage nach der Invasion russische Kampfjets ums Haupt schwirren.
Der Rahmen: Nicht innovativ, aber anders
Vielleicht sind die "Ground Control"-Macher mit ihrer Version des Dritten Weltkriegs ein bisschen spät dran - oder möglicherweise zu früh. Aber auch wenn das Szenario keinen Erfinderpreis gewinnt, werden es viele Strategiefans schätzen können, einmal ohne Tigerpanzer in den Krieg zu ziehen. Hinsichtlich der Erzählweise grenzt sich "World in Conflict" ebenfalls von Genrevertretern wie "Codename Panzers" und Co. ab. In den sowohl gerenderten als auch gezeichneten Zwischensequenzen rückt nicht so sehr das Kriegerische in den Vordergrund.
Vielmehr sind es Kinder, die ungläubig in den Himmel starren und hinter einer Wand aus Fallschirmen vergeblich die Sonne suchen oder Zivilisten, die auf der Flucht vor Sowjetpanzern panisch ihre Häuser verlassen. Solchen Momentaufnahmen von Einzelschicksalen verdanken auch die militärischen Protagonisten des Konflikts ihr Gesicht, so wie Lieutenant Parker, dessen Rolle der Spieler übernimmt. Natürlich menschelt es nur auf seiner Seite, auf der "guten" Seite. Der Gegner stellt sich als wütender Aggressor dar, für den die deutsche Sprachausgabe wenig schmeichelhafte Synonyme kennt: Ratten zum Beispiel, rote Schweinehunde.
Hat etwas gegen Russen: Lieutenant Parker
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