Verkehrte Netzwelt: Luxusgören - Eliteclubs im Internet

High Potential sucht Aushilfsjob

Schwarze Karte ist nicht nur eine Community, es ist vielmehr ein Netzwerk. Ein Pool aus potenziell nützlichen Kontakten. Schließlich gibt es hier Erfahrungsberichte über Unis und Internate sowie ein Forum, wo wir berufliche Kontakte knüpfen können. Flemming sucht einen Job als Kellner, Luisa sucht ein Praktikum - "irgendwas mit Mode, Modeln oder Fernsehen". Wenn das keine Starthilfe zur erfolgreichen Karriere ist.

Aber eigentlich geht es hier nicht um die ernsten Dinge des Lebens, sondern um Spaß. Im Mittelpunkt: das Feiern. Wer will sich schon mit zukünftige Karrieresorgen belasten, wir sind jung, im Schnitt 23 Jahre, und wollen Party. So steht das Nachtleben ganz klar im Mitelpunkt unserer Community. Damit wir uns noch mehr als etwas Besonderes fühlen, gibt es spezielle Partys für Mitglieder dieser Community. Wer noch eins oben drauf setzen will, lässt sich auf die "Gästeliste" setzen. Ein Klick genügt, schon steht man drauf. Einziger Vorteil: freier Eintritt.

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Hauptsache Party: Jede Menge Partyfotos auf Schwarze Karte

Schein oder Sein?

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Okay, man könnte das Projekt natürlich auch kritischer sehen. Bei näherer Betrachtung wirkt das Ganze vielleicht wie ein Markforschungsprojekt um uns ganz gezielt anzusprechen und zu analysieren. Es wird mit den Wünschen gespielt, Teil etwas Gehobenen sein zu wollen. Es ist ein Tausch: Gemeinschaftsgefühl gegen jede Menge persönlicher Daten.

Schwarze Karte ist nicht die einzige Community, die Prinzen und Prinzessinnen anspricht. Der "Elite European Crown Club" gibt sich mindestens ebenso exklusiv. Hier ist das Prinzip der "geschlossenen Gesellschaft" nicht nur Masche, sondern ernst. Hier hilft es nicht, in verschiedenen Foren nach einer Einladung zu betteln oder "jemanden zu kennen". Der "Crown Club" bleibt unter sich. Auch ich muss leider draußen bleiben.

Wohlfühlfaktor Überlegenheit

Wenn mir langweilig ist, lästere ich zusammen mit anderen über die Fotos des britischen Prekariats auf chavscum.co.uk. Zu Deutsch: "Proletenabschaum". Hier kann man sich nach Herzenslust über die Unterschicht, oder das was man dafür hält, auslassen. Vielleicht ein bisschen menschenverachtend, aber es hilft mir, mich für etwas Besseres zu halten.

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Chavscum: Sozialkritik mal anders

Manchmal, wenn ich einen schlechten Tag habe, dann lasse ich nach dem siebten Bier auch schon einmal einen Blick hinter die Fassade zu. Dann erzähle ich, dass meine Eliteuni in Wirklichkeit die Berufsschule Erlangen ist, ich statt Investmentbänker oder Consultant eines Tages bei der Stadtsparkasse Bankkaufmann am Schalter sein werde, dass ich so normal bin wie alle anderen, von denen ich mich so gerne abheben will.

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