Sie sind hier:
 

Fototipp: Miniaturlandschaften erschaffen
Die große Welt ganz klein gemacht

von Tobias Heinze Uhr veröffentlicht

Diesen Artikel weiterempfehlen
SHARES

Menschen werden zu Plastikfiguren, Autos erscheinen wie Spielzeug und ganze Städte wirken wie eine Modelllanschaft. Mit einfachen Mitteln kann dieser Foto-Effekt schnell selbst nachgestellt werden und ist mit Sicherheit nicht nur reizvoll für Fans von Modelleisenbahnen. Netzwelt über "Liebling, ich habe die Nachbarschaft geschrumpft".

Beispielbild Miniaturfake

Der Blick auf einen Modellhafen? Nur scheinbar, denn dieses Foto zeigt einen realen Hafen an der italienischen Adriaküste. Der Miniatureffekt ist durch eine besondere Bildbearbeitung mit Photoshop entstanden. Lernen sie mehr über den Miniatureffekt in diesem Fototipp.
(Klick vergrößert.)

Was wird benötigt?

Definitiv nicht viel an Kameraausrüstung. Denn eine einfache Digitalkamera ist schon alles, was für die Aufnahme der Fotos benötigt wird. Der eigentliche Trick liegt in der späteren Bearbeitung am Computer, weshalb ein Bildbearbeitungsprogramm wie Photoshop oder das kostenlose GIMP auf dem PC installiert sein sollte. Dazu ist die Standortwahl beim Fotografieren ziemlich wichtig, da der Fotograf stets auf eine erhöhte Position achten sollte. Es geht um den Blick von oben, daher helfen hohe Gebäude oder Aussichtspunkte wunderbar weiter.

Die Idee dahinter

Warum lässt sich der menschliche Verstand täuschen, wenn Fotos in dieser Aufbereitung eine scheinbare Miniaturwelt vorgaukeln? Zunächst ist die Perspektive der Fotos als ein Grund zu nennen, die den Betrachter über das Geschehen erhebt. Meistens ist das, was Menschen von oben herab betrachten können, kleiner als sie selbst. Ist ein Foto aber schlicht von einer erhöhten Position entstanden, bemerkt man das recht schnell und vermutet den Fotografen auf einem Aussichtsturm oder in einem Flugzeug.

  • Normalerweise sind besondere Tilt-Shift-Objektive für einen derartigen Effekt nötig. Doch diese teure Anschaffung kann man sich mit eine wenig Zeitaufwand am PC sparen.
  • Wirkt wie aus Papas Eisenbahnsammlung. Die geringe Schärfe im Bild führt den Verstand auf Glatteis.
  • Durch erhöhte Kontraste und Farbsättigung wirken die Landschaften zusätzlich künstlich.
  • Spielzeugmenschen und Pappgebäude sind hier nur scheinbar zu sehen.
  • Menschen werden scheinbar zu Ameisen am Strand.
  • Fotos dieser Art können mit jeder Digitalkamera entstehen. Der Effekt wird durch eine besondere Bildbearbeitung am PC verursacht.

Die Täuschung entsteht durch die am Computer erschaffene geringe Schärfeausdehnung im Bild. Fotos von sehr kleinen Objekten werden mit Makro-Objektiven angefertigt, die eine charakteristische Unschärfe vor und hinter dem fokussierten Punkt am Motiv entstehen lassen. Besitzt ein Foto nun diese makrotypische geringe Schärfentiefe, entsteht sofort der Eindruck, dass es sich um kleine Objekte auf dem Bild handeln muss.

Knallige Farben, die ebenfalls künstlich am Computer verstärkt wurden, unterstützen den Eindruck, dass die Szenerie im Foto nicht natürlichen Ursprungs sein kann. Autos scheinen aus Plastik gebaut, Menschen wirken wie kleine Figuren, die auf künstlichen Rasen geklebt wurden. So wird die Illusion zusätzlich perfektioniert und der Betrachter schlussendlich überzeugt.

Achtung, Aufnahme!

Bei der Aufnahme der Fotos gibt es nur wenige Dinge zu beachten. Da es sich später um ein scheinbares Modell handeln soll, ist es wichtig, dass das Ursprungsfoto ausgewogen scharf ist. So kann der Fokus im Foto später am Rechner gesetzt werden und wird nicht durch das Foto vorgegeben. Beim Fotografieren ist daher eine möglichst hohe Blende, zum Beispiel acht oder elf, sinnvoll. Wichtig bei der Verschlusszeit ist, dass auf keinen Fall Bewegungsunschärfe im Bild entstehen darf. Daher auch darauf achten, dass die Verschlusszeit kurz genug ist, um ein bewegtes Objekts einzufrieren.

Das Wetter liefert das beste Licht, wenn es sich um eine ausgewogene Beleuchtung handelt. Hier am besten darüber nachdenken, wie die Beleuchtung bei einer Modelleisenbahn sein könnte, damit der Fotoeffekt später möglichst realistisch wirkt. Als letztes natürlich auf den Standpunkt achten, schließlich wird eine Miniaturlandschaft in Wirklichkeit meistens von schräg oben aufgenommen. Wer sich schon bei der Aufnahme mit der späteren Verwendung des Fotos auseinandersetzt, merkt recht schnell, ob sich das Foto für eine spätere Umwandlung als Miniaturbild eignet.

Die Bearbeitung in Photoshop

Im ersten Schritt wird die Hintergrundebene dupliziert, damit Veränderungen am Bild flexibler korrigiert werden können. Den Maskierungsmodus startet man am schnellsten mit dem Kürzel Q, genauso wird er auch wieder beendet. Nun muss aber maskiert werden, daher einmal kurz Q betätigen und das Verlaufswerkzeug auswählen. Oben in der Menüleiste reflektierter Verlauf auswählen. Mit gedrückter Shift-Taste einen kleinen Verlauf vertikal in der Mitte des Bildes ziehen.

Beispielbild Miniaturfake

Nach dem Einsatz des Verlaufswerkzeugs sollte das Bild in etwa so aussehen. Der rote Bereich wird später der sein, der noch scharf ist, alles andere wird in sanfter Unschärfe aus dem Fokus verloren gehen.
(Klick vergrößert.)

Beispielbild Miniaturfake

(Klick vergrößert.)

Die soeben erstellte Auswahl wird nun auf eine Ebenenmaske übertragen. Dazu in der Ebenenpalette das entsprechende Feld (roter Kreis) anklicken. Die Auswahl springt nun auf die Ebenenmaske, was mit einem erneuten Klick auf die Ebene behoben wird. Würde die Maske ausgewählt bleiben, dann würden Filter und Veränderungen auf diese angewendet, nicht aber auf die Bildebene.

Beispielbild Miniaturfake
(Klick vergrößert.)

Unter Filter / Weichzeichnen / Verwackeln findet sich der Filter, der Tiefenunschärfe in Photoshop simulieren kann. Andere Bildbearbeitungsprogramme ermöglichen den Bearbeitungserfolg vielleicht auch mit dem Gaußschen Weichzeichner. Die Werte werden für Verwackeln gemäß dem Screenshot gewählt.

Nach dem Verwacklungsfilter ist schon zu erkennen, dass die Bereiche außerhalb der Ebenenmaske in Unschärfe verschwinden. Bei manchen Bildern kann der nächste Schritt ausgelassen werden, hat man zum Beispiel ein Foto einer sehr flachen Landschaft in Bearbeitung. Befinden sich jedoch auch Objekte im Bild, die in die Höhe ragen, dann erfordert das noch ein wenig Feinarbeit.

Beispielbild Miniaturfake
Wenn das Erdgeschoss eines Hauses scharf ist, dann liegt das Dach ebenfalls in der Schärfe-Ebene und muss mit dem Pinsel freigemalt werden. Dank der Ebenenmaske ist das einfach möglich.
(Klick vergrößert.)

Dank der Ebenenmaske kann Unschärfe überall auf dem Bild verstärkt oder abgeschwächt werden und das durch simples Malen mit dem Pinsel. Dazu wird ein weicher Pinsel mit schwacher Deckkraft, etwa 35 Prozent, gewählt. Mit der Farbe weiß können nun Elemente im Bild aus der Unschärfe genommen werden, mit schwarz werden Bildteile zunehmend unschärfer gemalt. Es wird natürlich nur auf der Ebenenmaske gemalt, nicht auf der eigentlichen Bildebene.

Im letzten Arbeitsschritt wird per Bild / Anpassen / Farbton/Sättigung die Farbsättigung im Foto deutlich erhöht. Werte um 30 oder 40 sind wirkungsvoll. Eine leichte Korrektur am Kontrast des Bildes ist ebenfalls häufig ein schnelles Mittel, um den Bildeffekt zu verstärken. Über Bild / Anpassen / Helligkeit/Kontrast können kleinere Pluswerte beim Kontrast mehr Plastizität ins Foto zaubern.

Beispielbild Miniaturfake
Im letzten Schritt wird das Bild auf seine endgültige Größe gebracht und dann per Filter / Scharfzeichnungsfilter / Unscharf maskieren geschärft. Da sich in der Regel feine Strukturen im Bild befinden, brachte das mehrmalige Schärfen mit gemäßigten Einstellungen die besten Erfolge.
(Klick vergrößert.)

Sie haben Fragen zum Thema oder möchten ein paar Ergebnisse mit der netzwelt-Community teilen? Dann posten sie Ihren Beitrag doch ganz einfach in unserem Forum.

Kommentare zu diesem Artikel

Menschen werden zu Plastikfiguren, Autos erscheinen wie Spielzeug und ganze Städte wirken wie eine Modelllanschaft. Mit einfachen Mitteln kann dieser Foto-Effekt schnell selbst nachgestellt werden und ist mit Sicherheit nicht nur reizvoll für Fans von Modelleisenbahnen. Netzwelt über "Liebling, ich habe die Nachbarschaft geschrumpft".

Jetzt ist Ihre Meinung gefragt. Diskutieren Sie im Forum zu diesem Artikel.

Jetzt Diskutieren!
  • phdhdgldshaghakgljhads schrieb Uhr
    AW: News - Fototipp: Miniaturlandschaften erschaffen

    Tolle bilder
  • j.liebmann schrieb Uhr
    AW: News - Fototipp: Miniaturlandschaften erschaffen

    beeindruckend
  • Arthur Spooner schrieb Uhr
    AW: News - Fototipp: Miniaturlandschaften erschaffen

    Hallo recoN, das kann gut sein. Zu der Zeit saß die Redaktion noch in Bonn. Schöne Grüße in die alte Heimat :)
  • recoN schrieb Uhr
    AW: News - Fototipp: Miniaturlandschaften erschaffen

    Echt Klasse! Sind einige Bilder am Siegburger-Bahnhof gemacht worden? :P
  • eos99 schrieb Uhr
    AW: News - Fototipp: Miniaturlandschaften erschaffen

    Da hab ich auch noch eins im Archiv...
  • Temudjin schrieb Uhr
    AW: News - Fototipp: Miniaturlandschaften erschaffen

    **INOFFIZIELLER FOTOTIPP -> ERGEBNIS - WETTBEWERB** Erster Beitrag von mir ;)

DSL- & LTE-Speedtest

Testen Sie mit unserem Speedtest Ihre tatsächliche DSL- oder LTE-Geschwindigkeit. Test auch mit Smartphone und Tablet möglich.

Jetzt Testen!

Der große Android-Update-Fahrplan

Welche Android-Version ist für mein Smartphone oder Tablet-Computer aktuell? Der große Android-Update-Fahrplan bringt Licht ins Dickicht der Versionen.

Jetzt ansehen!

article
19808
Fototipp: Miniaturlandschaften erschaffen
Fototipp: Miniaturlandschaften erschaffen
Menschen werden zu Plastikfiguren, Autos erscheinen wie Spielzeug und ganze Städte wirken wie eine Modelllanschaft. Mit einfachen Mitteln kann dieser Foto-Effekt schnell selbst nachgestellt werden und ist mit Sicherheit nicht nur reizvoll für Fans von Modelleisenbahnen. Netzwelt über "Liebling, ich habe die Nachbarschaft geschrumpft"..
http://www.netzwelt.de/news/76156-fototipp-miniaturlandschaften-erschaffen.html
2007-09-17 16:23:00
News
Fototipp: Miniaturlandschaften erschaffen