Overclocking: Das heikle Spiel mit Takt

Die Arbeit mit dem Speicher

Ob derartig happige Preise gerechtfertigt sind, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Denn heutzutage machen sich nur noch die wenigsten Hersteller die Mühe, vom "Referenzdesign" abzuweichen. Dabei handelt es sich um den Standardaufbau des Grafikchip-Herstellers wie beispielsweise Ati oder Nvidia mit einem vorgefertigten Kühler. Nicht immer die schlechteste Lösung, da zumindest einige dieser Kühllösungen ausgesprochen leise und effizient arbeiten. Dass die Entwicklung eines anderen Kühlers höhere Kosten verursacht, liegt auf der Hand. Doch das trifft bloß in den wenigsten Fällen zu.

Oft landet lediglich das unveränderte Referenzdesign mit einem Aufkleber des Grafikkartenanbieters auf dem Standardkühler in der Verpackung. Das Testen von höheren Frequenzen erfordert zwar zusätzlichen Arbeitsaufwand, dennoch scheinen die Anschaffungskosten mitunter unverhältnismäßig hoch. Auch mageres Zubehör bei werksseitig übertakteten Karten ist keine Seltenheit. Hier sollten Verspielte ganz genau abwägen, ob sich vielleicht sogar schon der Kauf einer normal getakteten Platine lohnt, die in der Leistungshierarchie dafür eine Stufe höher steht und nachträgliches Tuning gar nicht erst nötig hat.

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Grafikkarte Overclocking
Mancher Grafikkartenhersteller lässt
sich simple Eingriffe teuer bezahlen.

Doch die Verführung für übertaktete Hardware lauert noch an vielen anderen Stellen, beim Arbeitsspeicher beispielsweise. Besonders schnelle RAM-Riegel sind an einem so genannten Heatspreader erkennbar: meist aus Aluminium gefertigte Platten, die für eine gleichmäßigere Verteilung der im Betrieb entstehenden Wärme sorgen. Nicht ohne Grund, denn kürzere Ansprechzeiten und höhere Frequenzen verursachen wie auch beim Prozessor mehr Wärme. Nicht der einzige Nachteil.

Am weitesten verbreitet sind derzeit die Arbeitsspeicher-Formate DDR, DDR2 und DDR3. Von einer Generation zur nächsten wurde konsequent der Takt erhöht, im Gegenzug aber die Spannung reduziert, um Strom zu sparen. Doch beim Übergang von DDR zu DDR2 beziehungsweise von DDR2 zu DDR3 wurde dieser Effizienzvorteil mindestens ebenso konsequent wieder zunichte gemacht. Sobald ein Nachfolgestandard verabschiedet wurde, gingen bereits die ersten Hersteller von Overclocking-Speicher wieder einen Schritt zurück - mit dem hohen Spannungsniveau des vorhergehenden Formats.

Übertaktungspotenzial als Verkaufsargument wird beim Arbeitsspeicher auch gerne dort eingesetzt, wo es im Grunde kaum welches oder gar keines gibt. Zwar sind entsprechend geartete Speichermodule üblicherweise mit kürzeren Latenzzeiten und somit höherer Geschwindigkeit als herkömmliche Exemplare gesegnet, doch das war es oft auch schon. Sie setzen auf gängige Standardfrequenzen und machen das Übertakten wie bei gewöhnlichem Speicher zum Glücksspiel. Mal ist mehr drin, mal wird der PC bereits bei zaghaftem Overclocking instabil oder produziert hässliche Datenfehler.

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