Das gute Geschäft mit der Gamer-Hardware
Verkehrte Netzwelt: Werden Zocker abgezockt?
Benjamin Schnitzler
Computerspieler müssen sich einige Klischees gefallen lassen: Pickel feiern im Gesicht Familienpartys, ein Heidi Klum-Poster ersetzt die nie gehabte Freundin, die Nahrungsaufnahme beschränkt sich auf Cola, Pizza und Kartoffelchips. Doch so stereotyp sieht die Wirklichkeit normalerweise nicht aus. Dennoch scheinen das die Hersteller von Zocker-Zubehör etwas anders zu sehen: Demnach greift die Kundschaft sofort zu und tief in die Tasche, sobald etwas blau leuchtet oder mit dem Schlagwort "Gaming" versehen ist.
Anders lässt sich die Preismentalität in Sachen Spieler-Hardware kaum erklären. Selbst vermeintliche Pfennigs- beziehungsweise Cent-Artikel reißen große Löcher ins Portemonnaie. Das Gamer-Mousepad aus billigem Hartplastik kostet schnelle satte 20 Euro, sogar die neuen Teflonfüßchen für die PC-, Verzeihung, Gamer-Maus schlagen mit bis zu zehn Euro zu Buche. Außerdem hätte sich vor dem herrschenden Spiele-Boom wohl kaum ein Hersteller gewagt, Computermäuse für über 75 Euro respektive 150 Deutsche Mark auf den Markt zu bringen.
Der Käse mit den Mäusen
Neben bunten, vorzugsweise blauen LED und verstellbarem Gewicht sollen immer höhere Auflösungen die potenziellen Käufer von Gamer-Mäusen ködern. Bloß mit dem Unterschied, dass hier von High Definition im Gegensatz zu modernen Flachbildfernsehern herzlich wenig zu sehen ist. Dafür können die teuren Spielgeräte den Mauszeiger schon mit dem Hauch einer Bewegung von einer Ecke des Bildschirms in die andere befördern oder ihn mit pedantischer Pixel-Präzision Millimeter fressen lassen.
Dabei stellt sich die Frage, wie Computerspieler überhaupt jemals ohne hyperpräzise Laser- oder Infrarot-Sensoren, verstellbare Gewichte und Festbeleuchtung ihrem Hobby frönen konnten. Benutzer von betagten Modellen ohne dpi-Rekorde müssten sich vorkommen, als versuchten sie Feuer noch mit Steineklopfen statt mit dem Streichholz zu entzünden.

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Gamer-Mäuse kosten ein kleines Vermögen.
Spaß machte das Spielen bereits ohne ein hochtechnisiertes Kleinwunderwerk in der Handfläche. Obwohl oder auch gerade deshalb, weil bei nächtelangen LAN-Partys wegen dreckverkrusteter Mauskugeln öfters ein Boxenstopp zur Säuberung eingelegt wurde, obwohl abenteuerlich verlegte Coaxial-Kabel für alle Teilnehmer eine ernstzunehmende Stolper- und Strangulationsgefahr darstellten, obwohl das Gamer-Mousepad aus einer simplen Tischplatte bestand.
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