Wissenschaft gegen Kreationisten
Das Internet als Tummelplatz für christliche Missionare
Internet & Netzwelt
Das Creationwiki spielt dabei noch eine gemäßigte Rolle. Wesentlich offensiver gehen die Betreiber von "conservapedia" vor. Die ultra-konservative Alternative zu Wikipedia vermittelt trotz des Leitspruchs "Die glaubwürdige Enzyklopädie" nicht nur politisch ein eher rechtslastiges Bild, sondern vertritt auch eine Weltanschauung, die eher religiös als wissenschaftlich begründet ist.

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Streng konservativ: conservapedia
Im beispielhaften Artikel über die Evolution haben die Verfasser sich hier mehr Mühe damit gemacht, Darwins Glaubwürdigkeit anzuzweifeln und stattdessen "Kreationistische Wissenschaftler" zu zitieren, statt objektiv zusammenzufassen. Auch andere Themen kommen nicht gut weg. Auch bei anderen heiklen Aspekten wie der Abtreibung bemüht das Wiki in erster Linie Quellen, die den Glauben der streng christlich-konservativen Weltanschauung untermauern.
Nicht nur Wikis werden nach streng theologisch korrekten Vorstellungen befüllt, sondern auch andere bekannte Plattformen der Webkultur bauen die modernen Christen nach. Wie im Fall von GodTube. Dieses YouTube-Plagiat hat sich ganz der christlichen Sache verschrieben. Statt "Broadcast Yourself" wie beim Vorbild heißt es hier "Broadcast HIM".
Doch GodTube ist anders als die konservativen Wikis, denen stets die unangenehme Anmutung des konservativen, uncoolen Christentums anhaftet. GodTube steht vielmehr für die neue Spiritualität. Die Party-Christen. Die singende, lachende Jugend. Hier gibt es gut gelaunte Videos, wo der Herr mit Tanz und Gesang gepriesen wird.
Neben christlichen Tanzeinlagen gibt es hier Aufnahmen von Predigten, Musikvideos von christlichen Bands oder Glaubensbekenntnisse von Teenagern vor laufender Kamera. Religion ist "in". In den obligatorischen Kommentaren zu den Videos verleihen die Teens ihrer geistlichen Hingebung Ausdruck: "Es ist unglaublich, wie sehr Gott uns liebt", schreibt ein User unter einen Zusammenschnitt aus Mel Gibsons Film "Die Passion Christi" und ist damit nur ein Beispiel unter Tausenden.
Doch auch auf GodTube findet sich nicht nur das fröhliche Party-Christentum von Weltjugendtag und Ferienfreizeit. Auch hier prallen Welten aufeinander: Der plakative Kampf zwischen Evolution und Kreationismus tobt auch hier. Der CSE, der "Creation Science Evangelism" macht in regelrechten Propagandavideos Jagd auf Anhänger der Evolutionstheorie. Der Glaube an die Evolution sei verantwortlich für den Holocaust und die Amokläufe an Schulen, heißt es von der Organisation.

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Ein Trickfilm als Lehrbeispiel
Ein niedlicher Animationsfilm schickt sich an, Darwin zu widerlegen. Ein Fisch will vom Wasser ans Land und sich dort zu einem höheren Lebewesen weiterentwickeln. Was nun folgt, ist klar: der Fisch erstickt - Evolution widerlegt? Für die zahlreichen Zuschauer schon, das lassen zumindest die jubelnden Kommentare schließen.
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