Wissenschaft gegen Kreationisten
Das Internet als Tummelplatz für christliche Missionare
Internet & Netzwelt
Wir leben im dritten Jahrtausend unserer Zeitrechnung. Fast 500 Jahre sind seit der Reformation und etwa 300 Jahre seit dem Zeitalter der Aufklärung vergangen. Kirche und Staat sind längst streng getrennt. Und doch macht sich ausgerechnet in unserer von Wissenschaft und individuellen Freiheiten bestimmten Zeit der Einfluss der Religionen wieder breit. Das Internet steht dabei als modernes Medium im Mittelpunkt der neuen Spiritualität.
Inhalt
- Kreationismus statt Wissenschaft
- Religion im Bio-Unterricht
- Bibel statt Darwin
- Konservative Ideologien
- YouTube für Christen
- Kreationistische Propaganda
- Christen unter sich
- Kritik an der christlichen Lehre
"Die Evolutionstheorie ist eine philosophische Sicht, die aus der atheistischen Weltanschauung stammt." Kein Satz von Wissenschaftsfeinden aus dem 19. Jahrhundert, sondern eine aktuelle und sogar verbreitete Ansicht. Die Webseite "creationwiki" gibt eine alternative Sicht auf die Welt, ohne dabei streng der Wissenschaft zu folgen.
Kreationismus statt Wissenschaft
Es ist die Rückkehr der geistlichen Lehre. Die wissenschaftliche Weltanschauung ist bedroht. Zentraler und prominenter Streitpunkt zwischen den beiden Weltanschauungen ist die Entstehung der Arten. Evolutionstheorie oder Intelligent Design? Darwin oder Kreationismus?

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Creationwiki: Die andere Sicht auf die Welt
Schulwissen und Wissenschaft zählt für die modernen Gläubigen nicht. In offenen Wissenssammlungen wie dem "Creationwiki" toben sich die Anhänger der Spiritualität aus. Kreationisten legen die Bibel weitgehend wörtlich aus und betrachten die darin beschriebenen Dinge als direkt von Gott geschaffen. So gibt es verschiedene Modelle mit verschiedenen Vorstellungen, in welcher Form Gott bei der Entstehung der Lebewesen eingegriffen hat.
Das so genannte Intelligent Design ist eine Alternative zur Evolutionstheorie Darwins. Sie bestreitet, dass die Entwicklung der Arten durch Selektion und zufällige Mutationen geschieht, sondern sie beharrt darauf, dass eine intelligente Kraft die Entwicklung der Natur gezielt gesteuert haben muss. Die Anhänger dieser These erklären diese These für wissenschaftlich.
Der Grund dafür ist nachvollziehbar. Denn in den USA ist Religionsunterricht wegen der strikten Trennung von Staat und Kirche verboten. Das hat zur Folge, dass die Kreationisten ihre Ansichten als Wissenschaft verkaufen müssen, um ihre Lehre im Schulunterricht unterzubringen. So hat es der Kreationismus in einigen Bundesstaaten bis in den Biologieunterricht geschafft. Das Magazin "Der Spiegel" berichtet, dass Gott, Noah und die Sintflut es auch in den Biologieunterricht einer Gießener Privatschule geschafft hätten.
Kreationisten sind jedoch keine Exoten, keine einsamen Glaubensbrüder ohne jede gesellschaftliche Bedeutung. Besonders in den USA sind Darwins Erkenntnisse nicht so verbreitet, wie man meinen könnte, auch wenn selbst der Papst Johannes Paul II. diese als "mehr als nur eine Hypothese" bezeichnete.
Für viele Menschen spielt das keine Rolle. Laut einer Umfrage der Gallup Organization stimmten 43 Prozent der befragten US-Bürger der Aussage zu, dass "Gott den Menschen vor etwa 10.000 Jahren ungefähr in seiner heutigen Form geschaffen hat", während nur 14 Prozent einer Aussage zustimmt, dass sich der Mensch über Jahrmillionen aus primitiveren Lebensformen entwickelt habe, was der Evolutionstheorie entspricht.
Auch in Deutschland glauben laut einer Umfrage der schweizerischen IHA-Gfk nur 46 Prozent an die Evolution, der Rest glaubt entweder wörtlich an die Genesis wie sie in der Bibel steht oder an eine "von oben gesteuerten Version", die sich an das Intelligent Design anlehnt. Bei so viel Wissenschaftsskepsis wundert es nicht, dass die neutheologischen Ansichten auch im Internet weite Verbreitung finden.
Jetzt sind Sie dran.
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