Kommentar: YouTube - Propaganda 2.0
Nutzerverhalten
Auf Abmahnungen der Filme habe YouTube, seit Oktober letzten Jahres in Google-Besitz, erst gar nicht reagiert - die kritisierten Bewegtbilder blieben weiterhin für jeden einsehbar. Nicht nur Politiker finden dafür klare Worte: Gegenüber Report Mainz erklärte Dieter Wiefelspütz, innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, dass die Veröffentlichung solcher Filme den Tatbestand der Beihilfe zur Volksverhetzung erfülle. Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden, erwägt deshalb, Strafanzeige gegen YouTube zu erstatten.
In den zahlreichen Kommentaren zu den jeweiligen Hetz-Videos sammeln sich allerdings nicht nur abwertende Stimmen. Zwischen den Gegnern der Nazi-Propaganda tummeln sich auch viele Befürworter der rechtsextremen Ideologien, die nicht nur die rassenfeindliche Aussage, sondern auch die fehlende Zensur seitens YouTube begrüßen. Doch nicht hinter jeder Suchanfrage steht gleich ein Neo-Nazi, oft surfen Nutzer die entsprechenden Inhalte nur aus reiner Neugier ab. Gerade wegen der aktuellen Berichterstattung in den Medien.
Obwohl die anonym gehaltene Anmeldung für einen eigenen YouTube-Account kaum direkte Rückschlüsse auf die Nationalität der privaten Videoproduzenten zulässt, stammen nicht wenige der eingestellten Videos offenbar aus Deutschland. Da YouTube respektive Google in den USA beheimatet ist, fehlt im Gegensatz zu Deutschland eine rechtsverbindliche Grundlage, welche die Verbreitung von Nazi-Propaganda verbietet. Doch selbst wenn die Festplatte eines rechtsextremen Users später dem hiesigen Verfassungsschutz in die Hände fallen sollte, wurden die entsprechenden Filme bis dahin wahrscheinlich bereits hundert- oder tausendfach angeklickt.
Handlungsbedarf
Deutsche YouTube-Version hin oder her, Google täte gut daran, auch im eigenen Land mehr gegen die Verbreitung rassistischer Hass-Videos zu tun. Denn auch in den USA floriert die rechtsextreme Szene. Bekanntestes Beispiel ist wohl der heute immer noch aktive Ku-Klux-Klan, der vor allem durch Brandanschläge auf schwarze Kirchengemeinden von sich reden machte.
YouTube-Nutzer finden auch dazu mehr als ausreichend Filmmaterial, das nicht nur aus rein objektiven Dokumentationen besteht. Nicht zuletzt deshalb, weil Afroamerikaner über 13 Prozent der US-Bevölkerung ausmachen, steht eines fest: Handlungsbedarf besteht auch jenseits des großen Teichs.

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