Entscheidungsschlacht beim Computer-Kauf
Verkehrte Netzwelt: Notebook und PC im Zwiespalt
Benjamin Schnitzler
Außerdem könnte ich beim Café-Besuch nicht nur genüsslich meinen Cappuccino schlürfen, sondern mit dem aufgeklappten Mobilrechner auch den weltmännischen Geschäftsmann mimen, um die versnobte Dame am Nachbartisch zu beeindrucken. Nicht dass ich das nötig hätte, aber es zählt schließlich der Gedanke und das Vermögen, es überhaupt tun zu können.
Zurück in die Zukunft
Um verlorenen Boden wettzumachen, werfen sich ein paar vernunftbetonte Hirnzellen für den PC in die Bresche. Sie holen mich mit der Zukunftssicherheit zurück auf den Boden der harten Fakten. Remis, 2:2. Das Notebook könnte irgendwann zu langsam für das neuste Windows sein oder die maximalen Qualitätseinstellungen aktueller 3D-Spiele. Gut, beim tragbaren Rechner lässt sich immerhin Arbeitsspeicher nachrüsten, eine größere Festplatte und vielleicht sogar ein schnellerer Prozessor einbauen. Doch spätestens beim Zocken hört der Spaß auf.
Hier lacht der PC, denn das Upgrade mit einer flotteren Grafikkarte ist eine Sache von wenigen Minuten - bei einem Notebook hingegen, wenn schon nicht unmöglich, eine zumindest sehr heikle oder teure Angelegenheit. Falls selbst guter Wille nicht mehr über eine akute Hardware-Misere hinweg helfen sollte, kann ich dem PC immer noch die Innereien herausreißen und gegen moderne Technik austauschen. Ein Notebook landet zu diesem Zeitpunkt zwar nicht gleich auf dem Schrott, aber höchstwahrscheinlich bei eBay oder dem Schreibtisch eines leichtgläubigen Bekannnten.
Warten keine Wahl
Wenn es eines gibt, das potenzielle Computer-Käufer tunlichst vermeiden sollten, dann ist es warten. Denn es gibt wohl kaum eine sinnlosere Tätigkeit auf diesem Planeten. Abgesehen davon vielleicht, eine Messe für Unterhaltungselektronik in der Antarktis abzuhalten. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass spätestens eine Woche nach dem Erwerb neuer Hardware bereits ein besseres, schöneres oder preiswerteres Produkt angekündigt oder bereits im Handel vertrieben wird.
Ein Schelm, wer dabei Böses in Form einer großangelegten Verschwörung zwischen Prozessor-, Grafikkarten- und Mainboard-Produzenten denkt. Die finale Entscheidungsschlacht zwischen Notebook und stationärem Rechner aufzuschieben, ist also keine brauchbare Lösung. Ebenso wenig wie Streichhölzer ziehen oder einen Zufallsgenerator auf dem PC laufen zu lassen, denn der ist schließlich nicht unparteiisch.
Ende in Sicht
Wie immer, wenn die Entschlusskraft durch eine differenzierte Sicht der Dinge geschwächt wird, zeichnet sich auch in diesem Fall ein Kompromiss ab: Nicht optimal für beide Seiten, aber etwas, womit man leben kann. Nach reiflicher Überlegung, im meterlangen Bart scheinen bereits Spinnen und ganze Vogelfamilien zu hausen, weiß ich endlich, womit ich leben kann - und stehe damit wieder ganz am Anfang.
Anstatt mich zu einer Entscheidung hinzureißen, die mir später schlaflose Nächte oder weitere Kopfschmerzen bereiten könnte, treffe ich lieber gleich zwei. Ja zum PC, ja zum Notebook. Der PC bekommt eine neue Grafikkarte und einen neuen Prozessor, das Notebook wird ein günstigeres Gerät ohne überteuerte Hochleistungsgrafik. Ich glaube, ich bin ein Feigling.
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