Auf der Jagd nach einem Mythos
Internet & Netzwelt: Agentenfunk - James Bond liegt in der Luft
Liquidierungen, Observationen und das Beschaffen von Informationen: Das ist der Berufsalltag von Geheimagenten. Zumindest laut Filmen und Romanen. Über das tatsächliche Treiben von Spionen erfährt man meist nichts. Doch jeder kann selbst einen flüchtigen Blick in die Arbeit der Geheimdienste erhaschen. Geheimdienstnachrichten abhören - mit einem gewöhnlichen Weltempfänger.

Inhaltsverzeichnis
- 1Agenten sind Phantome
- 2Spione ausspionieren
- 3Unheimliche Zahlenketten
- 4Blick in die Welt der Geheimnisse
- 5"Es macht einfach süchtig"
- 6Den Geheimdiensten auf der Spur
- 7Steckt auch die Mafia dahinter?
- 8Neuigkeiten aus der Heimat
- 9Spekulationen über seltsame Geräusche
- 10Wie empfangen?
"Two, eight, three, zero": Agentenfunk, Zahlenradio oder auch Numbers Stations, sind Sendestationen, die verschlüsselte Botschaften an ihre Agenten in der Welt senden. Dabei werden Zahlen oder Buchstaben monoton vorgelesen. Das klingt nicht nur mysteriös, es ist tatsächlich so. Geschätzte 700 Hobbyfunker rund um den Globus haben es sich zur Aufgabe gemacht, die seltsamen Sender zu beobachten und sich über ihre Beobachtungen auszutauschen.
Agenten sind Phantome
James Bond jettet um die Welt, erschießt ein paar Bösewichte, die es auf die Weltherrschaft abgesehen haben und lernt quasi nebenbei noch ein paar hübsche Frauen kennen. Die Figur des Geheimagenten ist in den Unterhaltungsmedien meist sehr verklärt. Die fiktiven Figuren James Bond oder Jason Bourne sind weit mehr Actionhelden als unauffällige Angestellte ihrer jeweiligen Geheimdienste.

Echte Agenten sind wie Phantome. Nur wenige Eingeweihte wissen von ihrer wahren Identität. Deshalb ist es besonders wichtig, die Kommunikation mit der Zentrale möglichst unauffällig zu gestalten. Trotz aller modernen Kommunikationswege wie dem Internet, dem Handy oder Satelliten weit draußen in der Erdumlaufbahn bleibt der vermeintlich altmodische Funk ein zentraler Teil der Nachrichtenübertragung.
Spione ausspionieren
Diesen so genannten "Agentenfunk" kann jeder mithören - zumindest jeder, der einen hochwertigen Weltempfänger besitzt. Die gefunkten Nachrichten muten merkwürdig an. Gesprochene Zahlen- und Buchstabenkombinationen geben Rätsel auf. Verschlüsselte Botschaften an unbekannte Empfänger. Genau dies fasziniert die zahlreichen Beobachter der skurrilen Sender rund um den Globus.

Über das Internet haben sich die Fans der Agentensender organisiert. So kann man sich austauschen und Informationen sowie Spekulationen über die kryptischen Sendungen miteinander teilen. Im Laufe der Jahre sind so allerhand Informationen zusammengekommen. Beispielsweise über die Herkunft von Sendern oder Standorte von Sendeanlagen. Eine zentrale Organisation bei der Beobachtung dieser Sender ist Enigma, die "European Numbers Information Gathering and Monitoring Association".
Die Mitglieder warten zu Hause gespannt auf den Beginn der nächsten Durchsage oder ziehen durch die Landschaft, um durch Messen der Empfangsstärke die ungefähre Lage der Sendestationen anzupeilen. So werden die Sendezeiten dokumentiert und die Inhalte protokolliert oder mitgeschnitten. Was macht die Faszination dieser Sender aus? Wir sprachen mit Oliver Stolz aus Wien. Er ist selbst begeisterter Beobachter der Numbers Stations:
Unheimliche Zahlenketten
netzwelt: Wie kommt man dazu, Zahlensender zu beobachten? Sind Sie zufällig über einen solchen Sender gestoßen und wurden neugierig oder haben Sie davon in den Medien erfahren?
Oliver Stolz: Die Neugier. Man findet etwas Mysteriöses im Radio, mit dem man zuerst überhaupt nichts anfangen kann. Viele - wie ich - wollen dann natürlich herausfinden, was es damit auf sich hat. Als Kind bin ich einmal zufällig mit dem alten Weltempfänger meiner Eltern, die viel Segeln waren, über so einen Sender gestolpert und war ziemlich erschrocken. Eine Frauenstimme, die auf deutsch Zahlenketten herunterbetet, das war für mich als Achtjähriger ziemlich unheimlich.
