Bleifuß mit Fingerspitzengefühl
Angespielt: Overspeed - High Performance Street Racing
Mit hohen Drehzahlen allein werden nicht automatisch hohe Wertungen eingefahren. Diese Erkenntnis mussten auch die Macher von "L. A. Street Racing" machen, einem Rennspiel, das in der ausländischen Presse mäßig abschnitt und in Deutschland vielleicht auch deshalb unter neuem Namen an den Start geht. In einer Hinsicht überrascht der für 20 Euro gehandelte Racer jedoch: Das Fahrverhalten unterscheidet sich von Spielen ähnlichen Zuschnitts.

Rennspiele mit illegalen Straßenrennen sind beliebt, die Zutaten stets dieselben: Jugendliche Unsympathen machen mit aufgemotzten Wagen die Straßen unsicher, um in der Szene ihren zweifelhaften Ruf aufzupolieren. Doch auch in "Overspeed" steht der Spieler zunächst am Ende der motorisierten Nahrungskette. Konkurrenzfähig wird der fahrbare Untersatz, der mangels Lizenzen wie alle Autos im Spiel der Fantasie entspringt, erst durch Tuningmaßnahmen.
Wer nicht bremst, verliert
Im Karrieremodus wechseln neue Teile durch Wetten den Besitzer. Vor einem Rennen wandern Reifen, Motoren, Getriebe und Fahrwerke in den Lostopf, allerdings freiwillig. So schnell, wie die wertvollen Tuningteile eingefahren sind, können sie aber auch wieder abhanden kommen. Zum einen gibt es nach verlorenen Duellen keine unmittelbare Revanche, des Weiteren ist die Bestrafung von Fahrfehlern für einen Funracer schon fast gnadenlos. Anders als bei vielen Raserspielen dient die Bremse nicht nur dazu, das Heck mit roten Lichtern zu versehen. Trotz zuschaltbarer Fahrhilfen brechen die Boliden leicht aus, verlieren bei hohem Tempo die Bodenhaftung, geraten ins Schleudern und driften anders als bei "Need for Speed" nicht ungebremst durch enge Kurven.
Ein Trost, dass die computergesteuerten Rivalen, die es auf einer Rangliste zu verdrängen gilt, mit ähnlichen Hürden kämpfen. Vom Verdacht einer Gummiband-KI macht sich "Overspeed" frei, indem es sogar Verfolger, die bereits abgeschlagen sind, noch aus der Kurve trägt. Die daraus resultierenden Unfallschäden werden nicht nur optisch dargestellt, die Fahrtüchtigkeit nimmt ebenfalls ab. Eine optionale Blitzreparatur setzt die Wagen gegen eine Zeitstrafe aber noch während des Rennens instand.
Technisch fährt "Overspeed" den meisten Vollpreistiteln wie zu erwarten hinterher. Mögen die leeren Straßen von L.A. den "originalen Strecken illegaler Straßenrennen" nachempfunden sein, wie in der Produktbeschreibung vermerkt, viel zu bestaunen gibt es nicht. Immerhin dürfen die Programmierer frei von Lizenzauflagen besorgter Autobauer munter Blech verbeulen und Scheiben zertrümmern.
Wer seine Augen gern freiwillig belastet, kann die 3D-Grafik mit Bildrauschen versehen oder eine Bewegungsunschärfe aktivieren, die vor allem in der Cockpitperspektive zu grotesken Effekten führt. Lieblose Menüs und ein Soundtrack ohne Esprit festigen den Eindruck, dass den Entwicklern kein riesiges Budget zur Verfügung stand. Für einen zusätzlichen Mehrspielermodus mit bis zu vier Kontrahenten hat es dennoch gereicht.
Fazit: So ein Fahrverhalten sucht man in dieser Preisklasse lange. Dafür werden andere Aspekte des Spiels von der Sparrealität eingeholt.

Overspeed ist cool!