Übernahmen, Klagen und Geschäftsaufgaben
Home Entertainment: Die Online-Videowelt im Umbruch
Bezahlte Downloads sind die Zukunft, glaubt die US-Videothekenkette Blockbuster, die gerade einen Pionier der Branche übernommen hat. Bezahlte Downloads haben keine Zukunft, glaubt man dagegen bei Google und schließt kurzerhand das eigene Video-Angebot. Kostenlose Videos brauchen in Zukunft mehr Rechtssicherheit, glaubt schließlich der Online-Videoanbieter Veoh - und verklagt deshalb Universal.
Blockbuster plant bereits seit geraumer Zeit, im Online-Video-Handel Fuß zu fassen. So begann der populärste Videotheken-Betreiber der USA Ende letzten Jahres damit, seinen Kunden ein monatliches DVD-Abo zum Pauschalpreis anzubieten, das über die Blockbuster-Webseite kontrolliert werden kann.
Mit der jetzt bekannt gegebenen Übernahme des Download-Händlers Movielink sichert sich Blockbuster einen weiteren Baustein für seine Online-Strategie. Blockbuster erwirbt damit nicht nur einen Pionier des Download-Handels, sondern auch Movielinks Exklusiv-Verträge für eine Reihe von Hollywood-Titeln. Der Download-Händler wurde 2002 als Joint Venture der großen Hollywood-Studios gegründet.
Zum Abschied gibt's Coupons
So richtig erfolgreich war Movielink jedoch nie. DRM, schlechte Video-Qualität und hohe Preise sorgten dafür, dass sich Filmfans nie so recht für das Angebot erwärmen konnten. Der Konkurrenz geht es jedoch offenbar nicht viel besser: US-Konsumenten gaben im letzten Jahr laut LA Times gerade mal 29 Millionen Dollar für Video-Downloads aus - eine bei Preisen von rund vier Dollar pro Download eher bescheidene Bilanz.
Diese Skepsis teilt man offenbar bei Google. Der Internet-Riese gab diese Woche bekannt, dass Google Video ab nächster Woche keine Filme und Serien mehr zum Verleih und Verkauf anbieten wird. Google Video vertrieb unter anderem die Hit-Show CSI und bot Indie-Produzenten ebenfalls eine Chance zum Verkauf ihrer Filme.
Google nutzte für sein Download-Angebot ein proprietäres DRM-System, das nun ebenfalls komplett abgeschaltet wird. Am 15. August verwandeln sich damit alle bereits verkauften Filme und Serienfolgen in unbrauchbaren Datenmüll. Google hat angekündigt, seinen Nutzern als Entschädigung Coupons für das firmeneigene Bezahlsystem Google Checkout zukommen zu lassen.
Veoh: Wir klagen zuerst
Während Download-Shops vor sich hin kriseln, erfreuen sich Youtube & Co. weiterhin großer Beliebtheit. Der Musik-Konzern Universal glaubt, dass es dabei oftmals nicht mit rechten Dingen zugeht. Der Firma schmeckt es nicht, dass Nutzer Musikvideos ihrer Künstler bei Video-Plattformen hochladen. Universal hat deshalb in der Vergangenheit bereits Myspace, Grouper und Bolt.com verklagt. Der Konzern drohte offenbar auch dem Video-Anbieter Veoh mit einer Klage, doch Veoh wollte nicht auf Post vom Anwalt warten. Stattdessen ging das kalifornische Startup jetzt in die Offensive und verklagte seinerseits Universal.
Mit einer negativen Feststellungsklage will man Rechtssicherheit gegenüber Universal und anderen Entertainment-Firmen erreichen. Veoh beruft sich dabei auf US-Copyright-Gesetze, die Hosting-Anbieter vor den Verfehlungen ihrer Nutzer schützen. Das Verfahren dürfte auch von Google aufmerksam beobachtet werden. Googles Youtube-Plattform befindet sich ebenfalls in einem Rechtsstreit mit Musikverlegern und anderen Rechteinhabern. Der Konzern will sich jedoch offenbar nicht allein auf die Gesetzeslage verlassen. Google kündigte jetzt an, Youtube-Uploads ab September zu filtern.
