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04.08.2007
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Der Fluch der Kommentarfunktion

Verkehrte Netzwelt: Kein Pardon im Web 2.0

Internet & Netzwelt

Meinung als Schwachpunkt

Nach kurzer Zeit kommt bereits der erste Möchtegern-Meinungsmacher, der den Computer XY oder seinen eigenen viel besser findet und einen Vorschreiber aufgrund seines persönlichen Geschmacks denunziert - ohne auch nur einen geschriebenen Gedanken an das Warum zu verschwenden. Oft wird damit eine regelrechte Lawine aus Missgunst und unverhohlener Verachtung losgetreten, die sich bloß noch mit dem Schließen des kompletten Themas stoppen lässt. Die Masche funktioniert allerdings nur deshalb so erfolgreich, weil alle anderen vermeintlichen Nicht-Trolle so fleißig mitmachen.

Doch selbst in den niedersten Niveau-Regionen existiert noch soetwas wie eine geistige Elite. Zumindest halten sich manche Internetsurfer dafür. Dabei wird ein mehr oder weniger großes Arsenal von stark komprimiertem Halbwissen aufgefahren, großzügig versetzt mit Wikipedia-Auszügen, Gerüchten und subjektiv gefärbtem Lesen- und Hörensagen. Dies ist allerdings vielmehr ein Akt von Profilierungsdrang oder Selbstbeweihräucherung als von Nächstenliebe und hilft nur in den seltensten Fällen wirklich weiter. Andere versuchen sich vom Wort-Gemetzel zu distanzieren, indem sie solche Beitrage einfach ignorieren. Da sie dies jedoch auch schriftlich festhalten, bereichern sie den Konflikt bloß um einen weitereren sinnlosen Beitrag.

Angriffslust

Irren ist menschlich. Angeblich, denn im Internet ist es somit das Schlimmste, was einem passieren kann. Tippfehler allerdings nicht eingeschlossen, ganz im Gegenteil. Sieht man sich die meisten längeren Forendiskussionen genauer an, wird man feststellen, dass das Fehlen von Rechtschreibfehlern sogar mehr Aufmerksamkeit erregt als eine besonders hohe Anzahl. Dies würde sogar die Vermutung nahelegen, dass jemand heimlich Stealth-Marketing betreibt - "user-generated" Schleichwerbung.

Nach seinen falschen Formulierungen oder aus Unwissen gemachten Angaben muss der betroffene Nutzer nicht lange suchen: Er bekommt sie spätestens nach wenigen Minuten per Zitat-Hervorhebung um die Ohren oder vielmehr die Augen gehauen. Nicht sachlich, sondern entweder mit angriffslustigem Zynismus angereichert oder sogar Beleidigungen den Intellekt der eigenen Person betreffend.

Forum als Fremdsprache

Für manch unerfahrenen Internetsurfer muss der Besuch eines Forums dem Eindringen in einen völlig fremden Kulturkreis gleichkommen. Zwar sprechen alle dieselbe Sprache, besitzen oft aber trotzdem nicht die Fähigkeit, miteinander zu kommunizieren. Im Internet liegt die Hemmschwelle für unbedachtes Gerede und Diffamierung Andersdenkender nunmal deutlich niedriger als in der Wirklichkeit.

Doch zum Glück gibt es noch virtuelle Treffpunkte, die den Namen "Community" auch verdienen und in denen fruchtbare oder zumindest Diskussionen möglich sind, die nicht gleich in eine schriftliche Schlägerei ausarten. Würde in der Politik ebenso aggressiv und intolerant miteinander umgegangen wie zum Teil im Web 2.0, wäre der Weltkrieg 3.0 wahrscheinlich längst ausgebrochen und Atomwaffen hätten die Erde verwüstet.


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