Der Fluch der Kommentarfunktion

Verkehrte Netzwelt: Kein Pardon im Web 2.0

Verkehrte Netzwelt: Kein Pardon im Web 2.0 Web 2.0 ist der inoffizielle Inbegriff dafür, was momentan das Netz bewegt. Nämlich der so genannte User-generated Content. Die einfache Übersetzung für den sperrigen Begriff: Internetsurfer machen es sich selbst - manchmal auch zu einfach. Was bisweilen einem Rethorik-Kurs für Amöben ähnelt, ist in vielen Fällen traurige Realität. Denn hinter den meisten nutzergenerierten Kommentaren stehen echte Menschen. Und die haben leider nicht immer etwas zu sagen.

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Virtueller Punching-Ball
  2. 2Mein Wort ist Gesetz
  3. 3Meinung als Schwachpunkt
  4. 4Angriffslust
  5. 5Forum als Fremdsprache

Web-Foren oder Communities sind nicht gerade 2.0, doch ihre typischen Charakterzüge beherrschen heute die "neue Internetwelt", die in ihren Grundzügen eigentlich gar nicht mehr so jung ist. Fast jedes Online-Magazin, das etwas auf sich hält, verfügt über eine Kommentarfunktion, mit der jeder Besucher Kritik und Fragen beisteuern kann. Nicht nur das: Selbst manche Unternehmens-Website lässt mittlerweile eigene Erfahrungsberichte zu, die nicht aus der Marketing-Retorte stammen und sogar negative Äußerungen enthalten können. Eigentlich eine gute Basis für sinnvolle Beiträge. Eigentlich.

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Virtueller Punching-Ball

Jedes Forum sollte einen eigenen Abfalleimer besitzen. Einen Ort, wo sich frustrierte und leicht reizbare Lästermäuler verbal die Köpfe einschlagen oder virtuelle Dampfplauderer um den Verstand schreiben können. Erst wer sich hier nach Herzenlust abreagiert und ausgetobt hat, darf anschließend wieder an ernsthaften Diskussionen teilnehmen. Doch so funktioniert die Web-Landschaft nun mal nicht.

Zu sagen hat im Internet eigentlich jeder etwas. Nur halten es viele mit der schlechten Angewohnheit eines inkompetenten Poltikers: viele Worte, wenig Inhalt. Nicht selten besitzen die Beiträge sogar überhaupt keinen Inhalt, dienen lediglich der öffentlichen Verbreitung von Schimpf und Schande. Hier regiert nicht das Prinzip der Toleranz, sondern das Gesetz der Meinungsmache.

Mein Wort ist Gesetz

Zum skrupellosen Charakter eines schießwütigen Cowboys oder militanten Kleinstadt-Sheriffs passt die folgende Devise wie die Faust aufs Auge, zumindest in einem Western der alten Schule: "Mein Wort ist Gesetz." Um diese Denkweise in Aktion zu erleben, muss nicht einmal der Fernseher eingeschaltet oder an der Kinokasse angestanden werden. Es genügt bereits ein Computer mit aktiver Internetverbindung.

Mit der Tastatur als Handfeuerwaffe rücken so genannte Trolle jedem Andersdenkenden zu Leibe und verwandeln sinnvolle Diskussionen zu polemischen bis beleidigenden Wörterschlachten. Man nehme beispielsweise eine simple News-Meldung zu einem neuen PC: Den Kommentatoren gefällt das Gerät oder auch nicht, jedenfalls tun sie ihre Meinung auf eine beileibe nicht selbstverständliche Art und Weise kund - mit Begründung. Doch manchen mangelt es scheinbar am Vermögen, die Meinung anderer zu akzeptieren. Selbst wenn sie plausibel und nachvollziehbar dargelegt wird.

Links zum Thema

Beiträgeinsgesamt 3 Beiträge

Zitat: Ich finde den Link nicht mehr, aber auch hier gab es dieses Phänomen (einfach mal nach einem Artikel von C. Rentropp (?) über Linux suchen und schon wird man...

Danke für diesen Beitrag. Er spricht mir Quasi aus der Seele! Auch wenn ich dies wieder über eine Kommentarfunktion tue und dies auch noch in einem Forum muss ich dir zustimmen. Es entwickeln sich im Internet immer...

Klar auf den Punkt gebracht ! :D Gefällt mir ;) und erinnert mich an eine "Scheindiskussion" die ich vor ein paar Monaten als Bildkommentar(e) mit einem Freund geführt habe, habe sie mal als kleines Beispiel kopiert...

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