Wie Amerikas Kandidaten das Internet nutzen
Der digitale Wahlkampf
Internet & Netzwelt
Das Weblog Techpresident.com listet auf, welche Kandidaten wie oft in Blogs genannt werden. Ein Pressespiegel der Neuzeit. Dort werden auch die Anzahl der Myspace-Freunde der Kandidaten verglichen. Geht es nach diesem Indikator, führen die Demokraten deutlich: Barack Obama hat 150.000 Freunde, der beliebteste Republikaner bei Myspace - Ron Paul - jedoch nur ein Drittel dessen. Eine mögliche Erklärung für dieses Phänomen: Demokraten nutzen das Netz besonders gezielt und die Nutzer der modernen Plattformen sind jung und damit tradionell eher den Demokraten zugeneigt.
Ein weiterer Aspekt der Aktivitäten ist das "Online-Fundraising" - im Netz Spenden sammeln. Auch hier tun sich besonders die Demokraten hervor, weshalb die demokratischen Kandidaten deutlich mehr finanzielles Futter gesammelt haben als die republikanische Konkurrenz. Online spenden die User besonders schnell und außergewöhnlich viel. Dabei sind die Spendenkampagnen für die Parteien gleichzeitig günstiger als Kampagnen über andere Medien.

![]()
![]()
Barack Obama ist der Favorit im Netz.
Mitte Juli hatten die Demokraten 81 Millionen Dollar gesammelt, die Republikaner jedoch lediglich 46,6 Millionen Dollar. Der größte Anteil ging an den demokratischen Kandidaten Barack Obama. Alleine er sammelte 58 Millionen Dollar, wovon 17 Millionen aus Online-Spenden stammen. Der erfolgreichste Republikaner, Mitt Romney, sammelte 10 Millionen Dollar über das Netz. Michael Malbin vom Campaign Finance Institute sagt: "Die Demokraten sind den Republikanern voraus, wenn es um die Schaffung von Online-Communities geht".
Über das Netz konnten die Demokraten ihren traditionellen Rückstand beim klassischen Werben um Spenden per Post aufholen. Stephen Hess vom Brookings Institute erklärt, warum gerade das Online-Spenden so einfach ist: "Man muss nicht zu seinem Scheckbuch gehen, man muss den Scheck nicht in einen Umschlag stecken, eine Briefmarke aufkleben und zum Briefkasten gehen - die Einfachheit ist erstaunlich".
In Amerika ist es gang und gäbe, seinen Favoriten beim Wahlkampf zu unterstützen. Ob ein "Bumper Sticker", dem Aufkleber auf der Stoßstange, einem Schild im Vorgarten oder aktive Beteiligung an lokalen Wahlkampfveranstaltungen: Viele amerikanische Wähler stehen offen zu ihrem Kandidaten. Im Netz ist dies nicht anders.
Besondere Bedeutung im Wahlkampf haben die so genannten "eVolunteers". Dies sind freiwillige Unterstützer im Netz. Diese sind so wichtig, da jeder aktive Surfer im Netz ein Multiplikator ist. Egal ob in Foren, Social Networks, Blogs oder Chats. Wer seinen Lieblingskandidaten öffentlich unterstützt oder verteidigt, leistet aktive Wahlkampfhilfe. Denn seine Meinung wird von vielen anderen Menschen gelesen. Aus den Communities wird so ein ernst zu nehmendes Medium.
Einfluss des Webs überschätzt?
Medienexperten streiten darüber, ob der Wahlkampf im Internet überbewertet ist oder nicht. Stephen Hess warnt davor, die Macht des Internets zu überschätzen. Denn Howard Dean, der ehemalige Gouverneur von Vermont und der amtierende Vorsitzende der Demokraten, scheiterte 2003 schon an der Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten innerhalb der eigenen Partei. Dean geht als der Kandidat in die Geschichte ein, der als erster auf einen massiven Onlinewahlkampf setzte. Er übertraf sogar Bill Clinton bei der Summe der gesammelten Spenden.

![]()
![]()
Howard Dean: Im Netz erfolgreich, dennoch gescheitert.
(Bild: John P. Hoke)
Dennoch konnte Dean außerhalb des Internets keine ausreichende Popularität erzielen. Stephen Hess warnt: "Howard Dean hat all dies getan und seine Kampagne ist implodiert. Deshalb bedeutet es nicht, dass Barack Obama, der sich momentan am besten schlägt, die Nominierung gewinnt."
So scheint es, dass vor allem die beliebten Kandidaten vom Netz profitieren. Volksvertreter, die Politik für die Jugend machen, sind im Netz besonders beliebt. Auf den Stammwähler außerhalb des Internets bleibt der Einfluss aber eingeschränkt. So sehr YouTube und Myspace die jungen Amerikaner auch erreichen, die älteren bleiben davon unbeeindruckt. Dennoch geht das Online-Spektakel weiter: Am 17. September stellen sich die Kandidaten der Republikaner den Fragen der YouTube-Zuschauer.
- Wie Barack Obama die Internet-Nutzer für sich gewann
- US-Wahlkampf: Wer zur Hölle ist Joe der Klempner?
- Wahlkampf 2.0: Politiker in der digitalen Welt
nach oben

