Wie Amerikas Kandidaten das Internet nutzen
Der digitale Wahlkampf
Internet & Netzwelt
In den USA geht der Wahlkampf in die heiße Phase. Obwohl die Wahlen erst in 18 Monaten stattfinden, bemühen sich die Kandidaten bereits jetzt, sich ins richtige Licht zu rücken. Wer macht das Rennen und wird von den Parteien zum offiziellen Kandidaten nominiert? Der große Unterschied zu bisherigen Wahlen: Das Internet ist dabei so wichtig wie nie zuvor.
Inhalt
- Wahlkampf als Show
- YouTube als Demokratie-Instrument
- Das Netz als strenger Beobachter
- Hippe Politiker
- Spenden sammeln im Netz
- Freiwillige Helfer
- Einfluss des Webs überschätzt?
Myspace, YouTube und Co: Die Kandidaten suchen die Nähe zur Internet-affinen Jugend. Denn über klassische Medien wie Fernsehen und Zeitung sind die unter Dreißigjährigen für die Politik kaum zu erreichen. Wer an die Jugend will, muss ins Netz.
Der amerikanische Wahlkampf ist seit jeher eine sich immer weiter zuspitzende Mischung aus Selbstdarstellung, Inszenierung und Show. Gebraut wird dieses Gemisch von Beratern, Spendern und dem uramerikanischen Stilmittel des Entertainments. Ohne Unterhaltung findet selbst ein seriöser Politker kaum Gehör. So ist es kein Wunder, dass sich auch die Politik das omnipräsente Web 2.0 zu eigen macht.
YouTube als Demokratie-Instrument
Am Montagabend strahlte der US-Nachrichtensender CNN eine völlig neuartige Form einer Podiumsdiskussion mit Präsidentschaftskandidaten aus. Nutzer der Videoplattform YouTube wurden aufgefordert, Videos aufzuzeichnen, in denen sie Fragen an die Kandidaten der Demokraten richten konnten. Die Nutzer ließen ihrer Kreativität freien Lauf. In dreißig Sekunden kurzen Clips befragten sie Hillary Clinton, Barack Obama, John Edwards und die fünf weiteren demokratischen Kandidaten zu Themen wie Krankenversicherung, homosexuelle Ehe und Waffenbesitz. Die Fragen waren dabei meist wesentlich origineller gestaltet als die Antworten der Politiker.

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Die Kandidaten der Demokraten stellten sich den Fragen der YouTube-Community.
Knapp 3.000 Videos wurden eingereicht, 39 davon suchte die Redaktion von CNN für die Debatte aus. "Es gab Fragen, die wir als Mainstream-Medium niemals in einer Präsidentschaftsdebatte gestellt hätten", sagte der Chef des Washingtoner CNN-Büros David Bohrman. "Ich denke, es hat funktioniert". Kritiker monieren, dass durch die redaktionelle Filterung der Videos der freie und unmittelbare Geist des Mediums Internet verloren gegangen sei.
Das Netz als strenger Beobachter
Das Web hat in diesem Wahlkampf einen besonders großen Einfluss. Nicht nur positiv, auch negativ. Denn peinliche Fehltritte der medial streng beobachteten Kandidaten landen innerhalb von Stunden im Netz. So leistete sich der republikanische Senator George Allen im Herbst 2006 einen Fauxpas. Auf einer Wahlkampfveranstaltung um den Senatsposten ließ er sich dazu hinreißen, einen dunkelhäutigen jungen Mann mit dem Satz "Willkommen in Amerika, Macaca" zu begrüßen. "Macacas" sind Bergaffen aus Afrika.
Der junge Mann war jedoch nicht zufällig dort. Sein Name ist S.R. Sidarth, arbeitet für die Partei der Demokraten und nahm den verbalen Ausrutscher auf Video auf. Innerhalb von Tagen war der Fehltritt das meistgesehene Video auf YouTube. Allen verlor seinen Vorsprung in den Umfragen und schließlich auch die Senatswahl. Aus dem angehenden Präsidentschaftskandidaten wurde ein politischer Verlierer.
Das Internet hat die traditionellen Wahlkampfregeln außer Kraft gesetzt. Die Politiker, die beim jungen Amerika ankommen wollen, haben Myspace-Profile, machen Videopodcasts und bloggen. Hillary Clinton hat einen eigenen "Internet Outreach Officer" eingestellt, einen Ansprechpartner für das Internet. Die Politiker gehen mit der Zeit: Waren es im Wahlkampf 2004 noch vornehmlich Blogs, die von den Politikern genutzt wurden, sind es nun vor allem die Videoportale und Social Networks, die an Bedeutung gewinnen.
Jetzt sind Sie dran.
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