Verkehrte Netzwelt: Steve Jobs hat Angst vor Knöpfen
Der unmündige Nutzer
Die konsequente Reduzierung der physischen Tasten ist kein Zufall und keine Modeerscheinung. Schon Anfang der Achtziger soll Steve von seinen Ingenieuren gefordert haben, dass die Tastatur des ersten Macintosh nur aus den vier Cursortasten bestehen soll. Steve ist ein glühender Verfechter der Vereinfachung. Wie weit das gehen kann, zeigt der Apple Store in Tokio. Dessen Aufzug ist so einfach, dass er die Nutzer überhaupt nicht mehr mitbestimmen lässt: keine Knöpfe. Er hält stur in jeder Etage. Vielleicht ein Vorbild für den nächsten iPod?
Denn der iPod hat es seit 2002 vorgemacht, als das berührungsempfindliche Drehrad eingeführt wurde. Später gesellten sich noch passende Taster hinzu und schließlich wurde beides im Clickwheel vereint, wo sich die einzigen mechanischen Teile unter dem Touchpad-ähnlichen Tastring verstecken. Steves Spielzeuge sollen nicht gedrückt, sondern gestreichelt werden.

Papa Steve
Als Jobs 1996 bei Apple wieder die Fäden in der Hand hielt, trimmte er den krisengeschüttelten Computerhersteller auf rund, glatt und bunt. Das erste Produkt dieser neuen Marschrichtung war der erste iMac von 1998. Der löste nicht nur den inflationären Gebrauch des Präfixes "i" aus, sondern war auch der erste Rechner, der den klassischen Computer in Form der grauen Kiste abstrahierte und aussah wie eine Partydeko aus dem Ikeasortiment. "Bunt" fiel wenige Jahre später auch noch weg und so wurde der Großteil aller Apple-Geräte schneeweiß wie die Inneneinrichtung einer Zahnarztpraxis.
Steve führt den Multi-Milliarden-Konzern wie ein Patriarch ein Familienunternehmen. Die Kunden hängen an seinen Lippen, Steve gibt die Stoßrichtung vor. Und Steve mag es gerne einfach. Das Ende ist offen. Bereits 2006 reichte Apple ein Patent für eine virtuelle Tastatur ein. Wann kommt der Mac, der auf Winkbefehle reagiert?
Unser Steve selbst ist sich seiner Vorbildfunktion durchaus bewusst. So gestaltet er auch sein eigenes Äußeres nach dem einfachen Motto "Keine Knöpfe". Bei öffentlichen Auftritten zeigt sich "Digital-Lifestyle"-Guru Steve ausschließlich in standesgemäßer Nerd-Uniform: Rollkragenpulli und Jeans. Hemd? Sakko? Fehlanzeige! Zu kompliziert: Knöpfe!
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Wie geht's weiter? Zu diesem Thema haben wir eine redaktionelle Übersicht erstellt. Sie finden das Special zu Steve Jobs hier.
