Sex als Triebfeder der Industrie
Pornoproduzenten als Internetpioniere
Auch mit dem Internet gingen die Erotikproduzenten schon früh eine Symbiose ein: Auf Sexseiten gab es bereits verschlüsselte Anmeldungen und Kreditkartenzahlung, bevor das Wort "E-Commerce" überhaupt bekannt war. Florian Koch vom IT- und Telekommunikationsverband Bitkom: "Sie haben die Technik in jedem Fall sehr früh eingesetzt." Jedoch hatte dieses frühe Engagement auch Schattenseiten: "Einige betrügerische Dialer-Angebote haben in der Anfangszeit dem Ruf für elektronische Zahlungen im Internet geschadet."
Technisch legte die Erotikbranche vor: Pay-per-view, Videoportale: Alles Dinge, die für die Erotikanbieter alte Hüte sind. So könnte man vermuten, dass auch die rasante Verbreitung der Breitbandanschlüsse zu einem Teil dem Verlangen nach erotischen Downloads geschuldet ist. Schließlich macht das Datenaufkommen von Erotikinhalten laut einer aktuellen Studie der NPD Group 60 Prozent des gesamten Filesharing-Datenverkehrs im Netz aus. Florian Koch von Bitkom hält dies allerdings nur für einen Teilaspekt: "Die stark steigende Zahl von Breitbandanschlüssen hat viele Gründe: Hier ist neben dem immer umfangreicheren Angebot von Inhalten im Netz vor allem der stark fallende Preis für einen schnellen Internetanschluss zu nennen."
Neue Wege gehen
Wenn es eine neue Möglichkeit gibt, Inhalte multimedial unters Volk zu bringen, sind es fast unter Garantie erotische Inhalte, die als erstes dafür zu haben sind. Ob die erwähnten Internetportale, kostenpflichtige Rufnummern - die sogenannten "Mehrwehrtdienste" über die Vorwahlen 0900 und zuvor 0190 - oder Foto- und Videodownload aufs Handy. Stets sind die Sexanbieter die Vorreiter. Das Geschäft mit der Lust expandiert mit hoher Innovationsfreude trotz der immer noch annähernd tabuisierten Stellung in der Gesellschaft.
Handy, DVD-Player und Co.
Pornos sind oft nicht das einzige Kriterium für eine Kaufentscheidung, sondern lediglich eines unter mehreren. So sind moderne Handys mit Videofunktion besonders bei Jugendlichen beliebt. Vielen besorgten Medienberichten zufolge wird eben diese Funktion gerne dazu benutzt, um eindeutige Filmsequenzen in Briefmarkengröße wie Trophäen auf dem Pausenhof herumzuzeigen. Klassisches Henne-Ei-Problem: Werden Pornos auf dem Handy geschaut, weil das Handy dies kann oder wurde ein Videohandy ausgewählt, um damit Pornos zu schauen?
Auch bei vielen anderen Eigenschaften von bestimmten Geräten liegt es nahe, dass sie unter anderem der schlüpfrigen Filme wegen gekauft werden. So gibt es kaum noch einen DVD-Player, der kein MPEG4 abspielen kann. Dass diese Funktion in erster Linie für Filme aus dem Internet benutzt wird, liegt auf der Hand. Da laut der NPD Group aber lediglich fünf Prozent der Downloads auf Kinofilme entfallen, gegenüber 60 Prozent bei den Pornos, liegt es nahe, dass viele MPEG4-Player mit Erotikfilmen gefüttert werden.
Fazit
Exakte Zahlen für diese Phänomene gibt es nicht. Auch die Vertreter der IT- und Telekommunikationsbranche von Bitkom haben keine Zahlen zur Hand und können den Einfluss der erotischen Angebote nur schätzen. Die beeindruckenden Zahlen der Pornoindustrie lassen jedoch erahnen, dass die Tragweite der Pornografie weiter reicht, als viele sich vorstellen können.
