Pornos kurbeln die Wirtschaft an
Home Entertainment: Sex als Triebfeder der Industrie
Pornos sind so erfolgreich wie totgeschwiegen. Riesige Umsätze, aber niemand will es gewesen sein. Doch die Erotikindustrie verdient sich nicht nur selbst eine goldene Nase. Sie ist zugleich der Motor für die Unterhaltungselektronik. Neue Videomedien, schnellere Internetanschlüsse oder die Erschließung neuer Vertriebsmodelle: Die Pornobranche gibt das Tempo vor.

Inhaltsverzeichnis
- 1Die Pornobranche bestimmt
- 2Neuer Formatkrieg
- 3Pornoproduzenten als Internetpioniere
- 4Neue Wege gehen
- 5Handy, DVD-Player und Co.
- 6Fazit
Laut der britischen Wochenzeitung "The Economist" setzt die Pornobranche weltweit etwa 20 Milliarden Dollar um und ist in den USA umsatzkräftiger als Film- und Musikindustrie zusammen. Die Erotikunternehmer sind besonders fix, wenn es darum geht, neue Vertriebskanäle für ihre Werke zu finden: Egal ob Internet, Handy oder Datenträger, das Geschäft mit der Lust sucht sich stets neue Wege.
Die Pornobranche bestimmt
Wenn es um Medien für Videos geht, hatte die Erotikbranche schon immer das letzte Wort. Sie sorgte für den Durchbruch der VHS-Kassette, forcierte die Verbreitung der DVD und beeinflusst auch die aktuelle Wahl zwischen HD DVD und Blu-ray entscheidend mit:
Anfang der Achtzigerjahre kippten Erotikfilme die Waage zu Gunsten der billigeren, aber technisch unterlegenen VHS-Kassette. Das Konkurrenzformat Video2000 blieb wegen des Pornoverbots des Entwicklers Philips jugendfrei, Abspielgeräte für Betamax, dem dritten im Bunde, waren teuer, und so entschied sich die Erotikbranche schließlich für VHS. Und mit ihr entschied sich auch der Konsument. Jahre später war es auch eher die Sexindustrie als Hollywood, die das Magnetband für tot erklärte und sich die Möglichkeiten der neuen DVD zunutze machte.
Zwischen Kapiteln springen statt spulen, flimmerfreie Slowmotion und Standbilder, sowie Szenen mit mehreren auswählbaren Kameraperspektiven: Wer könnte davon mehr profitieren als die Fans von Erotikfilmen?
Neuer Formatkrieg
Beim aktuellen Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen HD DVD und Blu-ray wird das Verhalten der Sexindustrie von den Medien besonders aufmerksam beobachtet. Denn die Erotikproduzenten haben schon mehr als einmal den Ausschlag gegeben, welche Formate sich letztlich durchsetzten. So setzt US-Branchengröße Digital Playground voll auf Blu-ray und erhofft sich von der Verbreitung der Playstation 3, dass Blu-ray die richtige Wahl ist. Marktführer Vivid entschied sich dazu, neutral zu bleiben und produziert sowohl auf HD DVD als auch auf Blu-ray-Discs.
Von Vivid stammen ein Drittel aller in den USA verkauften Porno-DVDs. Steven Hirsch, der Gründer von Vivid, sagte dem US-Magazin DailyTech: "Es gehört nicht zu unserem Geschäft, ein Format dem anderen vorzuziehen." Ein wichtiger Punkt für die Industrie sind die Kopierschutzmaßnahmen. GAPA, ein Interessenverband der amerikanischen Pornoproduzenten, gibt an, dass jährlich knapp zwei Millarden Dollar Schaden durch illegale Kopien entsteht. Steven Hirsch von Vivid hält den Kopierschutz beider Medien für ausreichend, während Konkurrent Digital Playground in diesem Punkt der Blu-ray mehr vertraut. Hirsch will die Entscheidung dem Markt überlassen: "Wir produzieren und lassen die Kunden entscheiden, welches Format sie besser finden".

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