Indiziert: Die Evolution des E-Sex
Harter Stoff
Auch die Drachreiterin Rynn, eine Art Fantasy-Variante Lara Crofts, die sich mit Pfeil und Bogen oder Schwert statt Pistolen zur Wehr setzt und ein fliegendes Reptil als Handfeuerwaffe zweckentfremdet, wurde nachträglich entblößt. Dass Titel wie "Drakan" bereits ohne Eva-Kostüm genügend spielerische Reize bieten, ist dabei eher unerheblich. Auch vor vorschnell als Killerspiele bezeichneten Ego-Shootern machen Hobby-Enthüller nicht Halt.
Eine dieser Nackt-Patches versetzte gleich eine ganze Nation in Aufruhr und erlangte weltweite Berühmtheit: Vor gut zwei Jahren erschien mit "Hot Coffee" ein kleiner Porno-Mod für das Gangster-Epos "Grand Theft Auto: San Andreas". Er deckte jedoch nicht nur nackte Pixel auf, sondern auch gravierende Missstände im amerikanischen Jugendschutz. Obwohl vorsätzliche Gewaltanwendung, mutwillige Zerstörung sowie Mord und Totschlag den Großteil des Spielprinzips ausmachen, gab erst Hot Coffee den Anstoß für eine verbotene Abgabe an Minderjährige.

Wer schon einmal eine Videothek aufsuchte, kennt die verruchte Porno-Abteilung, in der sich hauptsächlich unrasierte Männer mit Raucherstimme und Alkoholfahne aufzuhalten scheinen. Vergleichbares existiert auch auf dem Spielemarkt. Hier fängt es noch relativ harmlos mit Table-Dance-Simulationen an, in denen sich frei konfigurierbare Damen nach allen Regeln der Kunst ausziehen und sprichwörtlich das letzte Hemd geben. Die Ambitionen der Entwickler sind eindeutig, was nicht zuletzt das zum Teil hohe Niveau der grafischen Umsetzung unterstreicht.
Wie im wirklichen Leben gibt es auch virtuell extreme Ausprägungen der menschlichen Sexualität. Echte Pixel-Pornos beispielsweise, bei denen der Benutzer selbst Hand anlegen oder Regisseur spielen darf und anatomische Merkmale bis ins letzte Detail dreidimensional ausgeformt werden. Sogar wer bei japanischen Zeichentrickfiguren à la "Sailor Moon" körperliche Erregung verspüren sollte, kommt auf seine Kosten. "Hentai", die Hardcore-Version des asiatischen Anime, ist seit geraumer Zeit auch bereits in der nächtlich nervenden Klingelton-Werbung für Handys vertreten.

Emanzipation Fehlanzeige
Nicht ohne Grund wird das Motto "Sex sells" so vielfach zitiert. Denn Erotik und Pornografie verkauft sich eben überall, auch in Computerspielen - egal ob witzig, dümmlich, niedlich oder gar nicht verpackt. Allerdings fördern die Pixel-Pornos nicht unbedingt den reifen Umgang mit der menschlichen Sexualität. Doch das ist auch gar nicht gewollt und darf in vielen Fällen getrost durch ein zwinkerndes Auge betrachtet werden. Einige Augen zuviel werden allerdings leider beim Thema Gleichberechtigung zugedrückt, denn hier kommen Frauen nach wie vor sehr ungünstig weg. Hier stecken die Spielentwickler trotz aller sexuellen Offenheit noch im tiefsten Mittelalter.
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