Spieletest: Overlord

Es tut gut, böse zu sein

Um besseres Kriegsgerät herstellen zu können, bedarf es neben einer bestimmten Summe Goldes auch einiger Opfervasallen. Je mehr Schergen in die Glut hüpfen, desto wirkungsvoller das Schmiedeerzeugnis. Neue Schergen lassen sich an speziellen Schreinen beschwören. Wie viele Schergen welchen Typs erzeugt werden können, richtet sich nach der Lebenskraft, über die der Overlord verfügt. Lebenskraft wird beispielsweise aus Giftkäfern (grüne Schergen) gewonnen oder aber aus putzigen Schäflein - schließlich kennt das Böse keine Gefühlsduselei.

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Angesichts der Tatsache, dass es neben einem Helden, der in klassischer Third-Person-Manier kämpft, eine Horde Helfer zu kontrollieren gilt, ist die Steuerung gut gelöst. Ein Linksklick weist einem Ziel Schergen hinzu, mittels rechter Maustaste werden Kämpfer zurückgepfiffen.

Komplizierter ist das Verschieben ganzer Verbände. Dazu müssen beide Maustasten gedrückt gehalten werden, während die Horde den Bewegungen der Maus folgt. An unwegsamen oder schlecht einsehbaren Stellen kann diese Fernsteuerung dazu führen, dass ganze Schergenregimenter versehentlich ins Wasser gescheucht werden und krepieren. Das ärgert schon deshalb, weil die Schlagkraft neu rekrutierter Schergen geringer ist als die von Veteranen, die bereits Ausrüstungsgegenstände plündern konnten.

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Beruhigend: Auch das Böse muss sich dem Pantoffel beugen. Immerhin sieht der Turm nach dem Einzug der Mätresse wohnlicher aus.

Mit seinen malerischen Landschaften, verwunschenen Wäldern und giftgrünen Höhlen sieht "Overlord" durchweg gut aus. Vor allem gelingt der grafische Spagat zwischen märchenhaftem Comic-Charme und schöner Düsternis, ähnlich wie bei "Fable". Mit viel Fantasie und schrägen Ideen entwarfen die Entwickler ein Universum, wie es eines Rollenspiels würdig ist, aber für das Genre nicht typisch.

Computerspieler kämpfen nicht jeden Tag gegen blutrünstige Einhörner oder adipöse Halblinge. Auch wenn dafür Humor nötig ist, eine Lachnummer ist "Overlords" keineswegs. Das Missionsdesign ist gut bis sehr gut, die Stimmung so speziell wie das ganze Spiel, das jedoch eigentlich nach den Schergen benannt sein müsste. Denn wenn die Lakaien auf Gegner losstürmen, ganze Bildschirmabschnitte auseinandernehmen und hinterher grinsend Beute anschleppen, stehlen sie ihrem Chef glatt die Show. Egal: Für ehemalige "Dungeon Keeper" ist der "Overlord" ein würdiger Spielgefährte.

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