Verkehrte Netzwelt: Scheinheilige Samariter

Auto-matische Antworten

Dem Klimaschutz verpflichtet fühlen sich endlich auch die meisten Autohersteller, selbst die Amerikaner kehren ihren hubraumstrotzenden Spritfressern zunehmend den Rücken. Problematisch nur, dass sich der Ballast der automobilen Entwicklung der letzten Jahrzehnte nicht einfach so abwerfen lässt. Wog ein Golf 1 gerade einmal 750 Kilogramm, bringt es die Version 5 gleich auf über 1,2 Tonnen. Einerseits drückt die fortschrittliche Motorentechnik zwar den Verbrauch und lässt die Autos effizienter über den Asphalt rollen. Auf der anderen Seite verlangen die Käufer sowohl stärkere Leistung als auch mehr Komfort, was wiederum das Gewicht und die PS-Zahlen in die Höhe treibt.

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Immerhin gelang es einigen PKW-Herstellern nach dem Hochkochen der CO2-Debatte auf einmal, die Verbräuche mittels simpler Maßnahmen wie Aerodynamik-Optimierungen und schmaleren Reifen zu senken. Mit konsequenterem Leichtbau könnte der Schadstoffausstoß aber noch deutlicher verringert werden. Hier spielen allerdings auch die Kosten eine wichtige Rolle, denn passende Spezialbauteile sind noch keine Massenware und dementsprechend teuer in der Anschaffung.

Wenn mehr dieser Materialien ihren Weg zur Serienfertigung finden würden, könnten leichtere und somit viel genügsamere Autos jedoch sehr schnell bezahlbar werden. Auch hier hört der Klimaschutz nicht mit dem reinen Benutzen auf. In die CO2-Bilanz fließt auch die Produktion und Entsorgung ein, und das besonders in diesem Fall nicht zu knapp. Hybrid-Modelle mit Otto- und Elektromotor fahren in der Stadt zwar klimaschonender, belasten die Umwelt aber wiederum bei der Entsorgung stärker.

Opportunismus pur

Irgendwie erinnert der CO2-Aktionismus von Politikern, Technikproduzenten und Massenmedien an die Torschlusspanik beim Sommerschlussverkauf. Umweltschutz ist eine Sache, Wählergunst, Wirtschaftlichkeit und Einschaltquoten eine andere. Solange fleißig gestimmt, konsumiert und zugeschaut wird und das Geld in die Kassen strömt, kann der Klimaschutz gestohlen bleiben. Doch auch in den Privathaushalten findet ein Umdenken statt.

Nicht unbedingt aus selbstlosem Antrieb, sondern aufgrund überhöhter Stromrechnungen, steigender Spritpreise oder schlechten Gewissens. Natürlich schadet es indirekt der Umwelt, den Fernseher den ganzen Tag laufen zu lassen, den Computer bei jeder neuen Hardware-Generation aufzurüsten oder beim Auto das Gaspedal gen Bodenblech zu treten. Aber brauchen wir für dieses Bewusstsein wirklich erst katastrophale Wettervorhersagen und CO2-Opportunismus?

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