Opportunistische Ursache, positive Wirkung
Verkehrte Netzwelt: Scheinheilige Samariter
Für alle, die es noch nicht bemerkt haben sollten: Deutschland wird von Konsum und wirtschaftlichen Interessen beherrscht. Tiefgreifende Veränderungen oder gar Innovationen werden in der Regel nicht aus ehrenhaften Motiven heraus entwickelt, sondern erst dann, wenn sich damit Geld verdienen und sparen lässt oder Nichtstun einen Image- oder Umsatzverlust bedeutet. Aktuelles Beispiel: die CO2-Diskussion.
Inhaltsverzeichnis
- 1Trendiges Umweltbewusstsein
- 2Der Fluch des Mooreschen Gesetzes
- 3Ernstzunehmender E-Trash
- 4Pro und CO2ntra
- 5Auto-matische Antworten
- 6Opportunismus pur
Nie war Umweltschutz so populär wie heute. Vorher nur stiefmütterlich behandelt, reden, schreiben oder filmen mittlerweile sämtliche Massenmedien darüber. Und wieder einmal zeigt sich, dass der Menschenverstand manchmal erst jemanden braucht, der ihm das Offensichtliche vor Augen oder Ohren führt. Schließlich waren Smog, Schadstoffausstoß und Stromverbrauch schon vorher ein ernstzunehmendes Problem. Bloß eines, das nur die wenigstens interessierte, solange sie die Folgen nicht am eigenen Leib zu spüren bekamen.
Trendiges Umweltbewusstsein
Insofern ein durchaus positiver Trend, als dass die derzeit grassierende CO2-Debatte tatsächlich die Politik, Unternehmen und Privathaushalte zum Umdenken animiert. Schuldzuweisungen zwischen den drei Fraktionen stehen an der Tagesordnung, doch einen alleinverantwortlichen Sündenbock gibt es nun mal nicht. Allerdings hätte so gut wie jeder schon früher sehr viel mehr tun können.
Computer sind regelrechte Dreckschleudern: Die Produktion eines kompletten PCs verschlingt etwa 1,5 Tonnen Rohmaterial und so viel Energie wie ein Zwei-Personen-Haushalt in einem ganzen Jahr. In Anbetracht dessen wirkt das Mooresche Gesetz mehr wie ein Fluch als ein Segen: Intel-Mitbegründer Gordon Moore weissagte bereits vor über 30 Jahren, dass sich die Schaltelemente eines Prozessors alle zwei Jahre verdoppeln würden.
Der Fluch des Mooreschen Gesetzes
Wie exakt oder ungenau diese Prognose weiterhin gilt, mag sich heutzutage vielleicht nicht mit absoluter Sicherheit bestimmen lassen. Fest steht allerdings, dass unter den alltäglichen Gebrauchsgegenständen nichts so schnell veraltet wie Computer-Hardware. Mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von gerade einmal drei Jahren hält ein aktueller Rechner kaum länger durch als ein Hamster als Haustier, bei dem die Entsorgung aber immerhin auf natürlichem Wege erfolgt.
Bei artgerechter Haltung könnte ein PC zwar erheblich dauerhafter betrieben werden, doch die Branche suggeriert etwas ganz anderes: kaufen, um nicht hinterher zu hinken. Anspruchsvollere Spiele, ressourcenhungrigere Betriebssysteme und überladene Programme bestimmen die Nachfrage. Nichtkonsum wird mit Spaßverlust bestraft. Völlig klar, dass dabei so manches liegen bleibt - jährlich sage und schreibe 114.000 Tonnen IT-Abfall allein in der Bundesrepublik.

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