Druck der USA erfolgreich?
Music Markt: AllofMP3 geschlossen und neu eröffnet
Das russische Downloadportal AllofMP3 ist seit Montag nicht mehr erreichbar. Die russischen Behörden haben damit dem Druck des amerikanischen Wirtschaftsministeriums nachgegeben. Doch weg ist der Anbieter nicht. Unter neuem Namen hat der Betreiber ein neues Portal eröffnet und verkauft weiter seine Audiodateien.

Der Musikindustrie war AllofMP3 seit langem ein Dorn im Auge. Der Anbieter gibt an, Lizenzgebühren an die russische Verwertungsgesellschaft ROMS abzuführen, und sei deshalb in Russland legal. Eine Lizenz, die Lieder in das Ausland zu verkaufen, hat AllofMP3 jedoch nicht, weshalb der Musikdienst international höchst umstritten war.
Musikdownloads als Politikum
Besonders das amerikanische Wirtschaftsministerium übte Druck auf Russland auf. AllofMP3 galt als einer der Hauptgründe, warum Russland bislang nicht in die Welthandelsorganisation WTO aufgenommen wurde. Der amerikanische Handelsminister Carlos Gutierrez hatte mehrfach die Schließung des Portals und eine Verschärfung des russischen Urheberrechts verlangt.
Neuer Name - gleicher Dienst
Die jetzige Schließung geschah pünktlich zum Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin bei US-Präsident George W. Bush in Kennebunkport. Die Zeitung "Moscow Times" berichtet, die Schließung sei von der russischen Staatsanwaltschaft ausgegangen. Ob juristischer oder diplomatischer Druck zur Abschaltung von AllofMP3 geführt hat: Auch wenn die alte Domain nicht mehr erreichbar ist, unter neuem Namen existiert der Anbieter weiter und hat das Angebot und den Kundenbestand von AllofMP3 übernommen.
Bisherige Kunden können sich nach ersten Berichten mit ihrem alten Nutzernamen und Passwort anmelden. Eine Frage der Zeit, bis auch dieses Portal international in die Kritik gerät. Zumindest aus diplomatischer Sicht dürfte die jetzige Schließung aber einiges an Druck von der russischen Seite genommen haben.
