Schubladenverträge - Fernseher oder Laptop statt Handy
Finanzielle Fußangeln
Doch auch wer tatsächlich ein Angebot findet, wo Fernseher oder Laptop im Verbund mit einem Handyvertrag günstiger als beim Händler sind, sollte aufpassen. Denn die Handyverträge verlängern sich automatisch, wenn nicht rechtzeitig gekündigt wird. Dann liegt die SIM-Karte arbeitslos in der Schublade und der Kunde zahlt mindestens sechs weitere Monate die Grundgebühr, ohne eine Gegenleistung dafür zu erhalten. Der Sparvorteil ist spätestens dann aufgebraucht.

Weiterer Haken: Handyverträge sind finanziell eine heikle Angelegenheit. Wer seine Rechnungen nicht mehr bezahlen kann, hat damit seine finanzielle Zukunft schneller in Frage gestellt, als ihm lieb ist. Mit negativen Schufa-Einträgen kann sich das spätere Leben schwierig gestalten, wenn beispielsweise der Kredit für das Eigenheim Jahre später noch verweigert wird. Zudem sind die Beigaben stets kurzlebige Konsumgüter, die schneller an Wert verlieren als eine Eisskulptur in der prallen Sonne. Bei der Frage nach einer riskanten, indirekten Ratenzahlung für einen kurzlebigen Konsumartikel mit hohem Wertverlust werden die meisten Finanzberater die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.
Der 272-Euro-Motorroller
Elektronikartikel und Fahrzeuge aus Fernost stehen auf der Liste der besten Anlageobjekte nicht besonders weit oben. Besonders die oft angebotenen Motorroller sind nur mit Vorsicht zu genießen. Denn die Vorstellung vom wendigen und sparsamen Stadtbegleiter kann schnell einer frustrierenden Realität weichen. "Wir bekommen die Roller aus China, deshalb sind die so günstig", erzählt uns der Händler, der die Zweiräder gegen 480 Euro Handygebühren verkauft. Wir recherchieren nach und finden den chinesischen Hersteller heraus. Sein Angebot: 272 Euro das Stück, ohne zu verhandeln, im Container direkt zum Hafen geliefert, bereit für die Reise über den Ozean.

Die Zweirradexperten vom Verlag Motorpresse Stuttgart, die sich täglich mit Motorrädern und Rollern beschäftigen, raten von solchen Gefährten dringend ab: "Wir bekommen fast täglich Anrufe von verärgerten Lesern, die sich beschweren, weil sie weder Werkstätten noch Ersatzteile für die Roller finden". Die Qualität sei mangelhaft und der Hersteller der Roller meist nicht mehr herauszufinden.
Fazit
Ob es sich lohnt, einen Fernseher oder Laptop über einen Handyvertrag zu finanzieren, hängt vom Einzelfall ab. Wer genau nachrechnet, den realen Marktwert der Geräte und die Gesamtkosten des Vertrages recherchiert, der kann ein echtes Schnäppchen machen. Im Idealfall spart der Kunde etwas Geld, der Händler verdient etwas daran und nicht einmal der Handyprovider muss draufzahlen. In den meisten Fällen, die im Fernsehen oder in Printmagazinen lautstark mit "Null Euro" beworben werden, spart der Kunde jedoch nichts.
Schubladenverträge können sich lohnen. Wer jedoch zu plump mit der Tür ins Haus fällt, wird gleich wieder vor die selbige gesetzt: "Wenn der Kunde direkt sagt, dass er den Vertrag nicht nutzen wird, lehnen wir ab", berichtet uns der Händler.
