Auf die Verpackung kommt es an

Gamer-Kolumne: Spielen - mit den besten Empfehlungen

Gamer-Kolumne: Spielen - mit den besten Empfehlungen Dieser Artikel wird von der netzwelt-Redaktion offiziell empfohlen! Auch wenn das so nicht stimmt, die Aufmerksamkeit des Lesers ist fürs Erste gewonnen. Schließlich ist der Leser/Kunde für Empfohlenes oder Offizielles so anfällig wie der Zocker für Augenringe. Nirgends weiß man das besser als in PR-Kreisen, speziell Videogames schmücken sich gern mit Empfehlungen aller Art. Selten ist das gerechtfertigt, manchmal nachvollziehbar, oft hanebüchen.

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Die Entwicklung eines Computerspiels ist ein langer Prozess - und kein billiger. Jahre können vergehen, bis ein Game die Produktionskosten eingespielt hat. Als die Verbrechersimulation "GTA" infolge immer neuer Skandalmeldungen aus den Regalen einiger Handelsketten verschwand, mussten die Macher um die Refinanzierung ihres Projekts bangen, auch lange nach der Veröffentlichung. Daran hätten selbst Empfehlungen nichts geändert, kein Gütesiegel à la "von Rütli-Schülern empfohlen".

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Seriöse Fürsprecher zu gewinnen, danach trachten PR-Tätige nichtsdestoweniger. Besonders begehrt sind offizielle Logos oder prominente Autogramme. Denn nicht der Inhalt einer Verpackung ist für viele Spontankäufer ausschlaggebend, sondern deren Aufmachung. Vor allem "Casual Gamer" vertrauen darauf, wenn der Olympiasieger Ludger Beerbaum eine Reitsportsimulation empfiehlt oder Deutschlands Kinderdomteuse Katharina Saalfrank ein Geschicklichkeitsspiel. Dass ausgerechnet die Super-Nanny ein Videospiel gut heißt, ist schon deshalb denkwürdig, weil sie doch so etwas wie das schlechte Gewissen des Computerspielens repräsentiert. Ein gelungener PR-Coup also in doppelter Hinsicht.

Ein Glücksgriff für Spielefirmen sind Kooperationen mit Verbänden und Institutionen. So machte sich für die Simulation "Fire Department 2" das Versandhaus des Deutschen Feuerwehrverbands stark, spendierte der Packung ein offizielles Empfehlungssiegel und verschickte den Produktfolder tausendfach an Feuerwehrstationen. Zu viel des Guten, dachte sich der Verband Deutscher Sportfischer e.V. und beließ es bei einer Empfehlung für den "Angel-Simulator". Tierisch hilfreich auch die Empfehlung der Heinz-Sielmann-Stiftung für die Zoosimulation "Wild Life Park 2".

Wenn zwei Firmen die gleiche Zielgruppe anvisieren und durch gemeinsame Werbung Kosten teilen können, spricht der Markt von "Cross-Promotion". Die Verschmelzung zweier Produktlinien mit Eisenbahnhintergrund sieht dann so aus: "Märklin und Sid Meier stehen für beste Qualität und maximalen Spaß, wenn es um das Spielen mit Zügen geht - ob als Modell oder virtuell." Klar, dass auf dieser Schiene kein Platz für Zurückhaltung ist.