Ist Software nichts mehr wert?

Software: "Software soll alles können, aber nichts kosten"

Freeware, Open-Source oder zur Not eine unerlaubte Vervielfältigung: Software soll möglichst viel können, einfach zu bedienen sein und nichts kosten. Das bekommen nicht nur die Anbieter kommerzieller Software zu spüren, sondern auch die Entwickler, die kostenlose Software anbieten, als Gegenleistung bei Gefallen aber um eine Spende bitten - Donationware. Wie schlecht ist die Zahlungsmoral der Computernutzer tatsächlich?

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Für viele Programmierer lohnt sich die Mühe finanziell nicht.

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Zehn Cent Stundenlohn
  2. 2Wegwerfprodukt Software?
  3. 3Eis statt Software
  4. 4Spenden zuviel Aufwand
  5. 5Niemand zahlt gerne freiwillig
  6. 6Fester Glaube an Donationware

Zehn Cent Stundenlohn

Der Student Jasper Grahl entwickelt in seiner Freizeit Software für den Mac. Sein erstes Programm, das HDR-Tool "DRIMaker" wurde bereits über 20.000 Mal heruntergeladen. Grahl bittet die User, denen die Software gefällt, um eine kleine Spende als Ausgleich für seine Arbeit. Reich wird er davon aber nicht: "Die Anzahl der Spenden sind so gering, dass es sich für einen Entwickler auf keinen Fall lohnt".

"Umgerechnet komme ich auf einen Lohn von weniger als zehn Cent pro Stunde", berichtet Jasper Grahl. Das Programm DRIMaker entstand ursprünglich als Studienprojekt. Nach dem Abschluss der Studienarbeit entwickelte er die Software weiter und opferte seine Freizeit dem Programmieren.

Wegwerfprodukt Software?

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Die deutschen User sind zahlungsunwillig. Verwöhnt von Softwarearchiven und tausenden ambitionierten Hobbyprojekten, deren Erzeugnisse über Suchmaschinen gefunden werden und in Sekundenschnelle auf der Festplatte landen. Entspricht ein Programm nicht den Erwartungen, wird es wieder gelöscht und nach Ersatz gesucht. Software ist ein Wegwerfprodukt geworden.

Dabei sind es gerade die kleinen Projekte, von denen die User am meisten profitieren können. Denn die Entwickler stehen mit den Anwendern in Kontakt, nehmen Vorschläge entgegen, setzen diese um und freuen sich über Lob und Anerkennung - auch in Form von ein paar Euro. Es könnte ein Geben und Nehmen sein.

In der Praxis sind die "paar Euro" wörtlich zu nehmen. Von den 20.000 Menschen, die Grahls Software bislang heruntergeladen haben, haben nur die wenigsten die Zeit gefunden, die Arbeit mit etwas Kleingeld zu honorieren. "Umgerechnet auf die Anzahl der Downloads habe ich etwa einen Cent pro Download verdient", berichtet Student Grahl.

Eis statt Software

Woher kommt diese Zahlungsunwilligkeit? Jasper Grahl versteht die User nicht: "Ein Spaghetti-Eis in der Eisdiele zu essen ist kein Problem, drei Euro für eine Software zu bezahlen, bedeutet für viele Leute jedoch die Überschreitung einer riesigen Hemmschwelle".

Alexander von Below hat die gleichen Erfahrungen gemacht. Er entwickelt ebenfalls für die Mac-Plattform, allerdings verdient er seinen Lebensunterhalt als Programmierer. Seine Erfahrung mit Donationware hat die gleichen Erkenntnisse hervorgebracht. Von Below hatte ein kleines Programm geschrieben, das Handythemes auf dem Rechner anzeigt und dieses kostenlos als Donationware ins Netz gestellt. Über tausend User haben sein Programm geladen - gespendet haben exakt zwei davon. Als Softwareentwickler beobachtet von Below die Zahlungswilligkeit der Nutzer mit sorgenvoller Mine: "Die Software soll alles können, aber nichts kosten".

Bei der Hardware wird bei vielen Usern nicht gespart: besonders schnell, besonders leise oder besonders schick sollte die Computerausstattung gerne sein. Woher die Software stammt, mit der dann schließlich gearbeitet wird, bleibt oft aber Nebensache, Hauptsache, sie ist möglichst kostenlos. Alexander von Below sucht nach Erklärungen für den Software-Geiz: "Es gibt verschiedene Gründe, viele sind schnell dabei, Software zu klauen. Wenn schon das Schuldbewusstsein beim Kopieren kommerzieller Software so niedrig ist, ist es kein Wunder, wenn auch die Bereitschaft zu spenden gering ist".

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