Denksport: Zu Gast bei Nintendos Gehirnjogging-Workshop
Big Brain Academy auf der Wii
Die Gedächtnis-Weltmeisterin selbst könnte nicht mit Gehirn-Jogging trainieren: "Es macht Spaß, es bringt etwas, aber man arbeitet dort nicht mit den klassischen Techniken, die beim Wettkampf benutzt werden", sagt Christiane Stenger. Grundsätzlich findet sie diese Programme aber gut: "Man bekommt einen kleinen Tritt, auch täglich etwas zu tun". Zudem fördern solche Spiele die Auffassungsgabe. Ihr gefällt der aktuelle Trend zu Denkaufgaben wie Gehirn-Jogging oder Sudoku sichtlich. Die 20-Jährige studiert Politikwissenschaften und hat vor, bald wieder an Wettkämpfen teilzunehmen. Momentan trainiere sie nicht aktiv, sagt sie und klingt dabei fast wie ein Leichtathlet, der sich für eine Speckrolle entschuldigt. Zuviel Training sei aber wie beim Sport nicht gut: "Zwei Wochen vor dem Wettkampf muss man aufhören, damit der Kopf frei ist". So lange dauert es, bis die Zahlen und Begriffe des Trainings aus dem Gedächtnis gelöscht sind.
Die Stimmung lockert weiter auf. Journalisten scheinen hier unter den geladenen Gästen ohnehin in der Minderheit zu sein. Oder sie sind gut getarnt. Nur wenige Menschen lauern den wichtigen Persönlichkeiten hier mit Stift und Block auf, um ihre Fragen loszuwerden. Das kleine Kamerateam von Giga bildet hier schon die exotische Ausnahme.
Genug gejoggt für heute, jetzt soll das Hirn die Schulbank drücken. Mit "Brain Academy" kommen die schlauen Denkspiele nun auch auf die Konsole für das Wohnzimmer. Auf der tragbaren DS gibt es das Spiel schon länger, jetzt soll das spaßorientierte Denken und die Spaß-Konsole miteinander vereint werden. Gesteuert wird mittels der Wiimote. Die Bedienung ist simpel: zeigen und klicken. Die Taste "A" ist alles, was man benötigt. "Brain Academy" ist deutlich actionlastiger ausgelegt als "Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging". Bunter, visueller, schneller und dank der Wiimote auch körperlich fordernder. Schnell das falsche Bild von vieren wegklicken. Oder Elemente einer geometrischen Figur entfernen, damit ein vorgegebenes Ergebnis herauskommt.

Yasmin probiert "Big Brain Academy" aus.
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Die Beschleunigungssensoren haben Urlaub, bei "Brain Academy" wird nur die A-Taste und das Zielen per Sensor Bar genutzt. Das funktioniert auf kurze Distanz sehr gut. Auf Gegenstände zu zeigen und zu klicken ist so intuitiv, dass eine Lernphase für die Bedienung völlig wegfällt. Anders als bei "Mehr Gehirnjogging" wird die Intelligenz hier nicht als Alter, sondern als Gewicht des Gehirns angezeigt. Andere Herangehensweise und dennoch nicht immer schmeichelhaft für den Menschen vor dem Bildschirm. In der Schwierigkeitsstufe "leicht" sind die Herausforderungen jedoch so simpel, dass kaum jemand Angst haben muss, die Hirnmasse einer frisch geschlüpften Kaulquappe attestiert zu bekommen.
Vom Hype profitiert
Die Stimmung ist locker, ungezwungener Smalltalk - die Atmosphäre nähert sich zunehmend einer Stehparty denn einer trockenen Produktpräsentation. Man kommt ins Gespräch. Es wird vom Japanurlaub erzählt oder dem Job. Gesiezt wird hier niemand.
Grafisch sind beide Spiele keine Überflieger, sondern optisch geradezu spartanisch. Da dies hier jedoch kaum eine Rolle spielt, trübt es den Spielspaß kaum. Stefan Gundelach, Pressesprecher von Nintendo Deutschland erklärt, dass das Konzept der Wii absichtlich so einfach gehalten sei: "Wir haben den Zugang zur Hardware vereinfacht und dann die passende Software dazu entwickelt", erklärt er, "ein ganz anderer Weg, als andere ihn gehen". Den momentanen großen Erfolg habe man diesem Konzept zu verdanken. Klassische Zocker stehen nicht im Mittelpunkt, dafür werden die Menschen angesprochen, die typischerweise eher wenig Interesse an Videospielen hatten. Der Anteil der zockenden Frauen und älteren Spielern ist bei Wii und DS besonders groß.

Pressesprecher Stefan Gundelach
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Die immer stärker aufkeimende Begeisterung für Denkspiele ist ein Glücksfall für Nintendo. "Wir haben vom Hype profitiert und ihn auch mit geschaffen", sagt Gundelach, während er Ausschau nach dem nächsten Aschenbecher hält. Die Verkaufserwartungen an die neuen Spiele sind hoch. Doch Nintendo sieht dem gelassen entgegen, ohne genaue Zahlen zu den erwarteten Verkäufen zu nennen.
Aufbruchsstimmung
Gegen 22 Uhr leert sich die Lounge zusehends. Immer mehr Gäste verlassen das Loft im Gewerbegebiet des Kölner Ostens und machen sich auf den Heimweg. Die restlichen Anwesenden, hauptsächlich Mitarbeiter von Nintendo und deren PR-Agentur, haben sich an der Bar zum Smalltalk versammelt. Gundelach erzählt, dass die Nintendo DS und "Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging" an der Uniklinik Erlangen sogar therapeutisch eingesetzt werde. Bettlägerige Patienten sollen sich damit fit halten, um vom Krankenhausalltag nicht unterfordert zu werden. Denkspiele seien die Games für jederman. Der durchschnittliche Käufer des ersten Teils von "Gehirn Jogging" sei 42 Jahre alt, berichtet Stefan Gundelach.
"Dr. Kawashima: Mehr Gehirn-Jogging" für die Nintendo DS erscheint am 29. Juni, "Big Brain Academy" für die Wii erst am 20. Juli 2007.
