Zwischen Jugendschutz, Vorratsdaten und Zensur
Deutschland: Auf dem Weg in die Web-Steinzeit?
Internet & Netzwelt
In Deutschland gibt es mehr Breitband-Internetzugänge als in Frankreich, Großbritannien oder Südkorea. Doch der Weg ins Web 2.0 ist für Netznutzer hierzulande schwieriger denn je. Jugendschutzbestimmungen und staatliche Überwachung könnten dazu führen, dass Deutschland beim Weg ins Digital-Zeitalter auf der Strecke bleibt.
Nur ein paar Stunden kamen die Nutzer von Spiegel Online in den Genuss des Online-Radios Last.fm, bevor sich die Chefredaktion der Nachrichtenseite zur Zwangsabschaltung entschied. Der Grund: Nutzer hatten auf Spiegel.de Songs rechtsradikaler Bands entdeckt. Die Kooperation zwischen den beiden Web-Plattformen wird deshalb pausiert, bis Last.fm bessere Filter zum Vermeiden solcher Pannen besitzt.
Solch ein Fehlstart im Rampenlicht ist ungewöhnlich, doch das Problem ist alles andere als neu. Zahlreiche Alben rechtsradikaler Bands stehen in Deutschland auf dem Index jugendgefährdender Schriften. Sie dürfen damit nur gegen Altersnachweis im Einzelhandel verkauft werden. Online dürfen sie weder kostenlos noch gegen Geld angeboten werden.
Last.fm begann bereits vor der Spiegel-Kooperation damit, derart rechtsradikale Musik mit Filtern aus seinem deutschen Angebot zu verbannen. Dies bestätigte eine Sprecherin der Firma jetzt gegenüber netzwelt: "Es handelt sich bei den gefilterten Inhalten um nach deutschem Recht jugendgefährdenden Content, Musik und Bilder." Diese Jugendschutz-Filter würden bereits seit geraumer Zeit entwickelt und optimiert.
Aufruhr bei Flickr
Spiegel Online-Leser sind nicht die einzigen, die in diesen Tagen die Schattenseite des deutschen Web 2.0 kennen lernen. Yahoos Bilderdienst Flickr begann kürzlich damit, Nutzern aus Deutschland den Zugriff auf Zigtausende von Bildern zu verweigern. Die Begründung: Die fraglichen Bilder seien möglicherweise jugendgefährdend und könnten deshalb in Deutschland wegen der hiesigen strikten Jugendschutzbestimmungen nicht verbreitet werden.
Flickrs deutsche Nutzer gingen daraufhin auf die Barrikaden. Protestbilder überschwemmten das Angebot, in Flickrs Foren entflammten hitzige Diskussionen. Eine ganze Reihe prominenter deutscher Blogger kündigte an, Flickr komplett den Rücken zu kehren.
Jetzt sind Sie dran.
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