Thoof: Nachrichten-Webseite mit kollaborativem Filter
Internet & Netzwelt: Freenet-Gründer startet Anti-Digg
Freenet-Gründer Ian Clarke glaubt nicht an das kollektive Abstimmen über Nachrichtenmeldungen. Mit Thoof.com hat er deshalb jetzt eine Alternative zu Digg, Reddit & Co. entwickelt, die ganz ohne Punkte und Stimmen auskommt. Thoofs Idee ist relativ simpel: Die Webseite setzt auf kollaborative Filter, um ihren Nutzern ein individuell zugeschnittenes Nachrichtenangebot zu bieten. Thoof registriert dazu, welche Artikel ein Leser anklickt. Anschließend sucht es in seiner Nutzerschaft nach Ähnlichkeitsmustern, anhand derer dann neue Artikel ausgewählt werden.
Inhaltsverzeichnis
- 1Jeder kann Einträge verändern
- 240 Prozent Erfolgsquote
- 3Keine Community, keine Artikel?
Thoof bedient sich damit eines ähnlichen Prinzips wie Amazon.de. Der Versandhausriese empfiehlt seinen Kunden regelmäßig Produkte, die andere Käufer des gleichen Produkts ebenfalls interessant fanden. Im Fall von Thoof können diese Empfehlungen jedoch noch präziser sein, da die Webseite zusätzlich auf Tags setzt. So können Nutzer einer Story beim Veröffentlichen eine Reihe von Stichwörtern zuordnen, mit denen sich dann ebenfalls ähnliche Artikel finden lassen.

Thoof sortiert nach Verhaltensmustern (Klick vergrößert).
Jeder kann Einträge verändern
Thoofs Webseite setzt massiv auf Ajax, um Lesern neue Stories zu präsentieren. So werden einzelne Schlagzeilen dynamisch nachgeladen, was ein ununterbrochenes Scrollen ohne Seitenwechsel ermöglicht - ein Effekt, der unter anderem von Microsofts Live.com-Suchmaschine bekannt ist. Leser haben zudem die Möglichkeit, einzelne Einträge wie bei Wikipedia.com zu bearbeiten. So können die Schlagzeile, die Zusammenfassung oder sogar der Link eines Artikels verbessert werden. Über diese Verbesserungen wird dann kollektiv abgestimmt.
40 Prozent Erfolgsquote
Thoof befindet sich noch in einem geschlossenen Beta-Test. Ian Clarke zeigt sich jedoch schon jetzt überzeugt, dass die eigenen Filter viel besser funktionieren als das auf Popularität fixierte Digg-Modell. So habe man den eigenen Algorithmus anhand der Daten des DVD-Versands Netflix.com in einem Blind-Test ausprobiert.
Der Durchschnittsnutzer habe dabei Gefallen an 40 Prozent aller DVDs gefunden, die durch Thoofs Technologie für ihn ausgewählt wurden. Von den populärsten Netflix-Videos hätten Nutzer jedoch im Durchschnitt nur 15 Prozent aller Titel gemocht. "Dabei ist dies im Wesentlichen die Methode, die von den größten Webseiten für nutzergenerierte News benutzt wird", so Clarke.

Formular für Verbesserungsvorschläge (Klick vergrößert.)
Keine Community, keine Artikel?
Bei aller Tendenz zur Mittelmäßigkeit besitzen Digg & Co. jedoch einen entscheidenden Vorteil: Sie basieren auf einer aktiven Community, die vom direkten Austausch über die Webseite lebt. Thoof bietet keine Diskussionsmöglichkeiten und reduziert Interaktion mit anderen Nutzern auf ein Minimum.
Möglicherweise spricht die Webseite damit eine andere Zielgruppe an, die einfach nur schnell neue, personalisierte Nachrichten abrufen will - ganz ohne Plaudereien, Stimmabgabe und anderen Schnickschnack. Doch wird diese Zielgruppe wirklich Zeit darauf verschwenden, selbst neue Artikel in das Thoof-System einzuspeisen? Ohne einen ständigen Fluss neuer Einträge könnte sich Thoof schnell als Totgeburt erweisen.






